Teil eines Werkes 
1./2. Th. (1844)
Entstehung
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und meine Hand ſank, ohne daß ich mir den Stoß verſetzen konnte, den ich mir beſtimmt hatte.

Gnade! Gnade! rief Montbrun, der ſich wieder etwas er⸗ holte,entferne Dich ſchnell, arme Marie, ich glaube, die Wunde iſt nicht tödtlich. Geh', ich werde mich in meine Wohnung brin⸗ gen laſſen; komm dahin.

Wird man es glauben? Ich war ſchlecht genug, Montbrun auf dem Todtenbette zu verlaſſen.

Ich kam ohne Hinderniß aus dem Hauſe hinaus. Er ſtarb ohne Zweifel eine Stunde darauf, neben einer andern, auf die ich noch eiferſüchtig bin. Ich wartete bis um Mitternacht in der Straße Hautefeuille, ging am andern Tage wieder dahin und end⸗ lich erfuhr ich ſeinen Tod. Seine Geliebte wurde nicht angeklagt; er hatte Zeit gehabt, in ſeinem Teſtamente ſich ſelbſt anzuklagen. Ich erfuhr Alles dies durch die Ausrufer. Der Name Montbrun wurde nicht genannt, aber er war es, ich wußte es. Feig genug klagte ich mich nicht an. Ich trug mein Verbrechen in der Stille und lebte allein mit meinem Schmerze. Ich wohnte in der Straße Hautefeuille, als müßte der arme Montbrun wieder dahin kommen. Den Winter verbrachte ich auf die traurigſte Weiſe von der Welt und unter den bitterſten Thränen. Als der Frühling wieder kam, wich der Schatten Montbrun's allmälig weiter und weiter von mir zurück, und ich fühlte mich wieder verjüngt. ISch hatte eine Ge⸗ fährtin aus dem Kloſter gefunden, die ſich ebenſowenig gebeſſert hatte als ich; ich beſuchte ſie immer häufiger; es fand ſich bei ihr immer eine zahlreiche Geſellſchaft junger Herren ein, die auch mich allmälig aufheiterten. Da ich keinen Einzelnen lieben konnte, ſo liebte ich Alle. Ich wurde ſchlimmer, als ich geweſen war, und vergaß endlich ſelbſt meine Kinder.

Die Feder ſträubt ſich. Warum ſollte ich auch die traurigſte Zeit meines Lebens ſchildern? Was ſoll ich mehr ſagen, als daß ich ein ganzes Jahr in dieſen Verirrungen verbrachte.