12 Anblicke der beiden Männer von einem unheimlichen Gefühl ergriffen worden wäre und plötzlich an den von der Wahrfagerin ihr ver⸗ kündigten gewaltſamen Tod habe denken müſſen.
So war es nicht mit den beiden Brüdern: Marquiſe ergrif ſie Beide, obgleich auf eine ganz verſchiedene Weiſe. Der Chevalier ſtand verzückt vor ihr, wie vor einer ſchönen Statue, ohne eines andern Eindrucks bewußt zu ſein, und wäre er ſich ſelbſt überlaſſen geblieben, ſo würde dieſe Be⸗ wunderung keine ſchlimmen Folgen gehabt haben.
Uebrigens ſuchte der Chevalier dieſen Eindruck weder zu über⸗ treiben, noch zu verbergen, und gab ſeiner Schwägerin ſein Ent⸗ zücken offen zu erkennen.
Der Abbé dagegen wurde beim erſten Anblick von einem tiefen, heftigen Verlangen ergriffen, dieſe Frau zu beſitzen, die ſchönſte, die er je geſehen hatte. Doch vollkommen Meiſter ſeiner Gefühle, äußerte er ſich nur in Ausdrücken der Galanterie, die ſich in der Geſellſchaft ein herkömmliches Recht erworben haben, und doch war er ſchon bei dieſer erſten Zuſammenkunft entſchloſſen, die Frau müſſe ihm gehören..
Die Marquiſe konnte zwar den erſten übeln Eindruck, den die beiden Brüder auf ſie hervorgebracht hatten, nie ganz überwinden; demungeachtet übte der Geiſt des Abbé, der die Kunſt verſtand, ſich jeden ihm beliebigen Ausdruck zu geben, auf ſie die Kraft aus, dieſen Eindruck nach und nach zu ſchwächen; ſie gehörte zu jenen Gemüthern, welche niemals das Böſe argwöhnen, ſobald es ſich nur die Mühe giebt, ſich etwas zu verſchleiern, und es erſt
Die Schönheit der
ſchmerzlich erkennen, wenn es ſein wahres Geſicht zeigt. Die Ankunft dieſer beiden n
euen Gäſte brachte etwas mehr


