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ſondern hatte den Titel nur angenommen, um ſich ſeiner Privi⸗ legien zu erfreuen. Es war ein Schöngeiſt, der bei Gelegenheit ein Madrigal und andere Reimereien machte, ziemlich hübſch von Ausſehen, obgleich ſeine Augen, wenn er ungeduldig war, den Aus⸗ druck einer ſeltſamen Grauſamkeit annehmen konnten, übrigens Wüſt⸗ ling und unverſchämt, als wenn er wirklich dem Clerus jener Zei angehört hätte.
Der Chevalier von Ganges, dem ebenfalls ein Theil der Schön⸗ heit zugefallen war, die ſeiner ganzen Familie eigenthümlich zu ſein ſchien, war einer jener mittelmäßigen Menſchen, die ſich in ihrer Nichtigkeit gefallen und unfähig zum Böſen, wie zum Guten, ihr Leben gleichgültig hinbringen, wenn nicht ein kräftigerer Cha⸗ rakter ſich ihrer bemächtigt und ſie in ſeinen Kreis zieht. Das geſchah dem Chevalier, rückſichtlich ſeines Bruders. Er gehorchte ſeinem Einfluß, ohne es ſelbſt zu wiſſen, und obgleich er ſich mit der Hartnäckigkeit eines Kindes dagegen geſträubt haben würde, wenn er es nur hätte ahnen können, ſo war er doch nur eine Maſchine in den Händen eines Andern, und zwar eine um ſo furchtbarere Maſchine, als keine reife Ueberlegung und kein ſelbſt⸗ ſtändiger Wille ihn dem von außen gegebenen Anſtoße entziehen konnte.
Dieſen Einfluß, den der Abbé auf den Chevalier bekommen hatte, übte er auch auf den Marquis aus. Als jüngerer Sohn, ohne Vermögen, und obgleich im Kleide der Kirche, doch ohne irgend welche Einkünfte, hatte er dem reichen Marquis einge⸗ redet, daß er nothwendig einen Mann brauche, der die Leitung und Verwaltung ſeines Vermögens übernähme, und ſich ſelbſt dazu angeboten. Der, wie wir geſagt haben, ſeines Eheſtandes herzlich überdrüſſige Marquis hatte dieſen Vorſchlag mit Freuden angenommen und der Abbé auch ſeinen Bruder mitgebracht, der ihm wie ſein Schatten folgte und den man ſo wenig beachtete, als wenn er wirklich keinen Körper hätte.
Die Marquiſe geſtand vft ſpäterhin, daß ſie bei dem erſten


