Teil eines Werkes 
9. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 157*

Es war ein mir ſo neues Schauſpiel und dabei ſo beengt und dunkel, daß ich zuerſt kaum etwas unter⸗ ſcheiden konnte, aber allmählig, als meine Augen ſich mehr an die Finſterniß gewöhnten, klärte ſich's auf, und ich ſchien in einem Gemälde von Oſtade zu ſtehen. Unter den großen Balken, Rippen und Ringbolzen des Schiffs und den Schlafſtätten der Auswanderer, den Kiſten und Bündeln und Fäſſern und Haufen von aller⸗ hand Bagage hier und dort von ſchaukelnden La⸗ ternen, anderswo von dem gelben Tageslichte erleuchtet, welches durch eine Luke oder durch ein Luftſegel herab⸗ ſtrömte befanden ſich gedrängte Gruppen von Leu⸗ ten, die neue Freundſchaften ſchloſſen, Abſchied von einander nahmen, ſchwatzten, lachten, ſchrieen, aßen und tranken. Einige hatten ſich's bereits im Beſitze ihrer paar Fuß Raum bequem gemacht, hatten ihren kleinen Haushalt eingerichtet, und ihre kleinen Kinder ſaßen auf Schemeln und zwergenhaften Lehnſtühlen herum; An⸗ dere, an einem Ruheplatze verzweifelnd, wanderten troſt⸗ los herum. Von Kindern an, welche erſt ein paar Wochen Leben hinter ſich hatten, bis zu gekrümmten alten Männern und Weibern, welche nur noch ein paar Wochen Leben vor ſich zu haben ſchienen, und von Ackersleuten, welche den Boden von England im eigent⸗ lichen Wortsſinn an ihren Schuhen forttrugen, bis zu Schmieden, welche Proben ſeines Rußes und Rauchs auf ihrer Haut mit wegnahmen, ſchien jedes Alter und jeder Beruf in den engen Raum des Zwiſchendecks ge⸗ pfropft zu ſein.

Als mein Auge ſich an dieſem Orte umſah, war mir's, als ſähe ich an einer offenen Stückpforte, mit einem der Micawber'ſchen Kinder neben ſich, eine Geſtalt wie die Emiliens ſitzen. Sie zog zuerſt meine Auf⸗