148 David Kopperfield.
„Wenn nicht ihretwegen, ſo thu' es meinetwegen, Micawber,“ ſagte ſeine Frau.
„Emma,“ erwiederte er,„dieſe Anſicht von der Frage iſt in ſolch einem ſolchen Augenblicke unwider⸗ ſtehlich. Ich kann mich ſelbſt jetzt noch nicht ganz über⸗ reden, Deiner Familie um den Hals zu fallen, aber das Glied Deiner Familie, welches jetzt wartet, ſoll ſeine Wärme nicht durch mein Betragen zu Eiſeskälte erſtarren ſehen.“
Mr. Micawber zog ſich zurück und blieb einige Zeit abweſend, in deren Verlauf Mrs. Micawber nicht ganz frei von der Befürchtung war, daß ſich zwiſchen ihm und dem Familiengliede ein Wortwechſel erhoben haben könnte. Endlich erſchien derſelbe Knabe wieder und präſentirte mir ein Billet, welches mit Bleiſtift ge⸗ ſchrieben war und in geſetzlicher Weiſe mit„Heep versus Micawber“ begann. Aus dieſem Documente erſah ich, daß Mr. Micawber, abermals abgefaßt, ſich auf der letzten Stufe des Paroxismus der Verzweiflung befände, und daß er mich bäte, ihm durch Ueberbringer ſein Meſſer und ſein Kannenmaß zuzuſchicken, da ſie ſich als brauchbar erweiſen dürften während des kurzen Reſtes ſeines Daſeins im Kerker. Ebenſo bat er uns, daß wir ihm den letzten Act von Freundſchaft erwieſen, ſeine Familie im Armenhauſe des Kirchſpiels ſehen und dann vergeſſen zu wollen, daß ſolch ein Weſen wie er je gelebt habe.
Natürlich beantwortete ich dieſes Billet damit, daß ich mit dem Knaben hinunterging, um das Geld zu bezahlen, wo ich Mr. Micawber antraf, wie er in einer Ecke ſaß und finſtere Blicke auf den Beamten des She⸗ riffs warf, der ſeine Abfaſſung bewirkt hatte. Bei ſei⸗ ner Erlöſung umarmte er mich mit dem äußerſten Feuer
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