David Kopperfield. 141
von ſich. Miß Dartle kniete plötzlich vor ſie hin und begann ihr das Kleid aufzuſchnüren.
„Fluch Ihnen!“ rief ſie mit einer Miene, in der ſich Wuth und Gram miſchten.„Es war zu einer böſen Stunde, daß Sie je hierher kamen. Fluch Ih⸗ nen! Gehen Sie Ihrer Wege!“
Nachdem ich ſchon das Zimmer verlaſſen, eilte ich noch einmal zurück, um die Klingel zu ziehen, damit die Dienſtleute um ſo eher alarmirt würden. Sie hatte jetzt die regungsloſe Geſtalt in ihre Arme genommen und weinte, immernoch auf ihren Knieen, über derſel⸗ ben, küßte ſie, ſchaukelte ſie auf ihrem Buſen wie ein Kind und verſuchte alle zarten Mittel, die ſchlafenden Sinne wieder zu erwecken. Nicht länger von Furcht erfüllt, ſie allein zu laſſen, kehrte ich geräuſchlos um und alarmirte das Haus, als ich hinausging.
Später am Tage kam ich zurück, und wir legten ihn in die Stube ſeiner Mutter. Sie war noch ganz dieſelbe, erzählte man mir. Miß Dartle verließ ſie kei⸗ nen Augenblick. Aerzte waren gerufen, mancherlei Dinge verſucht worden; aber ſie lag da gleich einer Bildſäule, ausgenommen, daß ſie dann und wann jenen dumpfen Ton hören ließ.
Ich ging durch das Trauerhaus und verhing die Fenſter. Die Fenſter der Kammer, wo er lag, ver⸗ dunkelte ich zuletzt von allen. Ich hob die bleiſchwere Hand empor und hielt ſie an mein Herz; und die ganze Welt ſchien Tod und Schweigen zu ſein, einzig und allein unterbrochen vom Stöhnen ſeiner Mutter.


