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David Kopperfield. 11
Ich weiß nicht gewiß,“ ſagte Mr. Peggotty,„wenn ihr Herz angefangen hatte, zu zagen, aber auf dem ganzen Wege nach England hatte ſie gedacht, daß ſie nun in ihre liebe Heimat kommen thäte. Sobald ſie nach England kam, kehrte ſie ihr ihr Antlitz zu. Aber Furcht, daß man ihr nicht vergeben, Furcht, daß man mit Fingern auf ſie weiſen würde, Furcht, daß Eins oder das Andere von uns ihretwegen geſtorben wäre, Furcht vor allerhand Dingen, ließ ſie ſich davon abkehren und riß ſie auf dem Wege wie mit Gewalt davon weg. Onkel, Onkel, ſagte ſie zu mir, die Furcht, daß ich nicht werth wäre zu thun, was mein zerriſſenes und blutendes Herz zu thun ſo ſehnlich wünſchte, war die entſetzlichſte Furcht von allen. Ich kehrte mich ab, als mein Herz voll Ge⸗ bete war, daß es mir erlaubt ſein möchte, in der Nacht zu der alten Schwelle zu kriechen, ſie zu küſſen, mein ſchlechtes Geſicht daraufzulegen und dort am andern Mor⸗ gen todt gefunden zu werden.
Sie kam,“ ſagte Mr. Peggotty, indem er ſeine Stimme zu einem von Entſetzen erfüllten Geflüſter dämpfte, „nach London. Sie, die es in ihrem Leben nie nicht geſehen hatte, kam nach London— allein— ohne einen Pfennig— jung— ſo ſchön. Faſt in demſelben Au⸗ genblicke, wo ſie hier ausſtieg, ſo ganz mutterſeelenallein, fand ſie(wie ſie glaubte) eine Freundin; eine ehrbare Frau, die mit ihr über die Nätherarbeit ſprach, die ſie gelernt hatte, als ob ſie die ſchwere Menge für ſie fin⸗ den könnte, als ob ſie ihr für die Nacht'ne Unterkunft verſchaffen und morgenden Tages insgeheim ſich nach mich und die Andern alle erkundigen wollte. Als mein Kind,“ ſagte er laut und mit einer Gewalt der Dank⸗ barkeit, welche ihn vom Kopf bis zu den Füßen ſchüt⸗ telte,„am Rande eines Verderbens ſtund, das ich nicht


