David Kopperfield. 9
„Es war ein ſchöner Nachmittag, als ſie erwachte, und ſo ſtill, daß man keinen Lärm nicht hörte, als das Plätſchern jenes blauen Meeres ohne Ebbe und Fluth an das Ufer. Sie glaubte zur Erſt, ſie wäre zu Hauſe an einem Sonntagsmorgen, aber die Weinblätter, die ſie am Fenſter ſah, und die Hügel draußen, waren nicht zu Hauſe und widerſprachen ihr. Dann kam ihre Freundin'rein, um an ihrem Bette zu wachen, und da wußte ſie, daß das alte Boot nicht mehr um die nächſte Ecke in der Bucht war, ſondern weit weg, und wußte auch, wo ſie war und warum, und brach in Weinen aus an dem Buſen der guten jungen Frau, wo hoffentlich jetzt ihr kleines Kind liegt und ihr mit ſeinen hübſchen Augen zulächelt.“
Er konnte von dieſer guten Freundin Emiliens nicht ohne einen Erguß von Thränen reden. Es war ver⸗ gebens, als er weiter zu ſprechen verſuchte. Die Thrä⸗ nen ſtürzten von Neuem hervor, als er ſich anſtrengte, ſie zu ſegnen.
„Das that meiner Emilchen gut,“ nahm er nach ſolch einer Aufregung, daß ich ſie nicht ſehen konnte, ohne ſie zu theilen, das Wort wieder auf, während meine Tante von ganzem Herzen weinte;„das that mei⸗ ner Emilchen gut, und es fing an, beſſer mit ihr zu wer⸗ den. Aber die Sprache jenes Landes war ganz von ihr weg, und ſie war gezwungen, Zeichen zu machen. So gings fort, von Tage zu Tage wurde es beſſer mit ihr, langſam zwar, aber ſicher, und ſie verſuchte, die Na⸗ men gewöhnlicher Dinge zu lernen— Namen, die ſie in ihrem Leben nicht gehört zu haben ſchien— bis ein⸗ mal ein Abend kam, wo ſie an ihrem Fenſter ſaß und einem kleinen Mädchen zuſah, die am Strande ſpielen that. Und auf ein Mal, da hielt ihr dieſes Kind die


