Teil eines Werkes 
8. Theil (1850)
Entstehung
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148 David Kopperfield.

es ziemlich geräumig, daß ein Bett darin war, und daß in demſelben mehrere plumpe Bilder von Schiffen an den Wänden hingen. Ich vermochte Miß Dartle nicht zu ſehen und ebenſowenig die Perſon, die wir ſie hatten anreden hören. Ganz gewiß konnte es meine Begleiterin nicht; denn meine Stellung war die beſte.

Einige Augenblicke herrſchte eine Todtenſtille. Mar⸗ tha hielt mir die eine Hand immernoch auf die Lippen und erhob die andere in einer lauſchenden Stellung.

Es iſt mir ziemlich einerlei, daß ſie nicht zu Hauſe iſt, ſagte Roſa Dartle hochmüthig;ich weiß nichts von ihr. Sie ſind es, die ich zu ſehen komme.

Mich? erwiederte eine ſanfte Stimme.

Bei dem Klange derſelben ging mir ein Schau⸗ der durch den ganzen Körper. Es war Emiliens Stimme.

Ja, entgegnete Miß Dartle,ich bin gekommen, mir Sie zu beſehen. Was? Sie ſchämen ſich des Ge⸗ ſichts nicht, das ſo viel gethan hat?

Der entſchloſſene und unbeugſame Haß des Tones, in welchem ſie ſprach, ſeine kalte, ſtrenge Schärfe, die darin verhaltene Wuth ſtellten ſie mir vor Augen, als ob ich ſie vom Lichte beſchienen hätte daſtehen ſehen. Ich ſah die blitzenden ſchwarzen Augen und die von Leidenſchaftlichkeit verwüſtete Geſtalt, und ich ſah die Narbe, mit ihrer weißen Spur, die durch die Lippen ſchnitt, als ſie ſprach, zucken und pulſiren.

Ich bin gekommen, ſagte ſie,James Steer⸗ forths Schätzchen zu ſehen, das Mädchen, welches mit ihm davonlief und nun das Stadtgeſpräch des gemeinſten Volks ihres Geburtsortes iſt; die freche, großthueriſche, ausgelernte Zuhälterin von Menſchen, wie James Steer⸗ forth. Ich möͤchte wiſſen, wie ſolch ein Ding ausſieht.