Teil eines Werkes 
8. Theil (1850)
Entstehung
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146 David Kopperfield.

hinauf zu folgen, welche einem Nebenfluſſe der Straße zu vergleichen war.

Das Haus ſchwärmte von Inſaſſen. Als wir hin⸗ aufgingen, wurden Stubenthüren aufgeriſſen, und Köpfe von Leuten fuhren heraus, und wir begegneten andern Leuten, welche herunterkamen. Als ich von außen hin⸗ aufgeblickt hatte, ehe wir eintraten, hatte ich Weiber und Kinder an den Fenſtern über Blumentöpfe heraus⸗ lungern ſehen, und wir ſchienen ihre Neugier auf uns gezogen zu haben; denn ſie vorzüglich waren die Beob⸗ achter, welche aus den Thüren gukten. Es war eine breite, getäfelte Treppe mit einem maſſiven Geländer von einer dunkeln Holzart, Karnießen über den Thüren, geſchmückt mit geſchnitztem Frucht- und Blumenwerk und breiten Sitzen in den Fenſtern. Aber alle dieſe Zeichen einer vergangenen Pracht waren erbärmlich verdorben und verſchmutzt; Fäulniß, Feuchtigkeit und Alter hatten das Fußgetäfel durchgefreſſen, welches an vielen Stellen untauglich, ja ſelbſt unſicher war. Ich bemerkte, daß man einige Verſuche gemacht hatte, dieſem dahinſchwin⸗ denden Körper neues Blut einzuflößen, indem man die koſtbare Arbeit hier und da mit gemeiner ausgeflickt hatte; aber das war wie die Heirath eines herabge⸗ kommenen Altadeligen mit einer plebegiſchen Bettlers⸗ dirne, und jeder Theil der übel zuſammengefügten Ver⸗ bindung fuhr gleichſam vor dem andern zurück. Meh⸗ rere von den Hinterfenſtern an der Treppe waren ver⸗ dunkelt oder völlig verrammelt. In den übrigen war kaum eine Glasſcheibe, und durch die zerfallenden Rah⸗ men, durch welche die üble Luft ſtets hereinzukommen und nie hinauszugehen ſchien, ſah ich durch andere ſchei⸗ benloſe Fenſter in andere Häuſer von ähnlichem Zu⸗ ſtande und blickte mit Schwindel hinab in einen ekel⸗