Teil eines Werkes 
8. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 145

Ich fragte ſie, ob das nicht unſere Beſtimmung ſei. Als ſie mir mit derſelben haſtigen Geberde wie zuvor ein Ja zunickte, ließ ich eine leere Kutſche, welche vor⸗ bei kam, anhalten, und wir ſtiegen hinein. Als ich ſie fragte, wo der Kutſcher hinfahren ſollte, antwortete ſie: Irgend wohin in der Nähe von Golden Square! Und ſchnell! Dann fuhr ſie in einen Winkel zurück und hielt die eine zitternde Hand vor ihr Geſicht, während die andere die frühere Geberde machte, als ob ſie keine Stimme ertragen könnte.

Jetzt ſehr aufgeregt und hald von Furcht, bald von aufglimmender Hoffnung bewegt, ſah ich ſie um eine Erklärung an. Da ich indeß bemerkte, wie ſehr ſie ru⸗ hig zu bleiben wünſchte, und da ich fühlte, daß dies auch meine natürliche Neigung zu ſolch einer Zeit ſei, verſuchte ich es nicht, das Schweigen zu brechen. Wir rückten unſerm Ziele näher, ohne daß ein Wort ge⸗ ſprochen worden wäre. Manchmal warf ſie einen Blick aus dem Fenſter, als ob ſie dächte, wir kämen zu lang⸗ ſam vorwärts, obſchon wir in Wirklichkeit ſchnell vor⸗ wärts kamen; ſonſt aber verblieb ſte genau ſo wie erſt.

Wir ſtiegen an einem der Eingänge zu dem Square ab, welches ſie genannt, wo ich dem Kutſcher die An⸗ weiſung gab, zu warten, ohne mehr zu wiſſen, als daß wir ſie vielleicht brauchen würden. Sie legte ihre Hand auf meinen Arm und zog mich haſtig in eine der dü⸗ ſtern Straßen, deren es in dieſem Stadttheile mehrere giebt, wo die Häuſer einſt, als ſie von einzelnen Fa⸗ milien innegehabt wurden, hübſche Wohnplätze geweſen waren, aber ſich ſchon längſt in ärmliche, ſtubenweiſe vermiethete Wohnungen verwandelt hatten. In die offne Thür eines derſelben eintretend und meinen Arm los⸗ laſſend, winkte ſie mir, ihr die gemeinſchaftliche Treppe

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