144 David Kopperfield.
war eine feuchte, dunſtige Luft. Die Zweige hingen ſtrotzend und ſchwer vor Näſſe auf den Bäumen, aber der Regen hatte aufgehört, obſchon der Himmel noch dun⸗ kel bewölkt war, und heiter ſangen die hoffnungsvollen Vögel. Als ich im Garten hin und her wandelte und die Dämmerung ſich um mich zu ſchließen begann, wa⸗ ren ihre kleinen Stimmen gedämpft, und jenes eigen⸗ thümliche Schweigen breitete ſich aus, welches zu ſolch einem Abende auf dem Lande gehört, wo die kleinſten Bäume vollkommen ſtill ſind, ausgenommen, daß dann und wann ihre Wipfel ſchwanken.
An der Seite unſeres Landhäuschens befand ſich eine kleine Perſpective von epheuüberſponnenem Gitterwerk, durch welches ich von dem Garten, wo ich wandelte, auf die Straße vor dem Hauſe ſehen konnte. Ich warf, während ich an mancherlei Dinge dachte, zufällig meine Augen nach dieſem Orte hin und ſah eine Geſtalt jen⸗ ſeits des Gitters, gekleidet in einen ärmlichen Mantel. Sie beugte ſich haſtig nach mir und winkte.
„Martha!“ ſagte ich, auf ſie zugehend.
„Können Sie mit mir kommen?“ fragte ſie flü⸗ ſternd mit aufgeregter Stimme.„Ich bin bei ihm ge⸗ weſen, und er iſt nicht zu Hauſe. Ich ſchrieb es auf, wo er hinkommen ſollte, und ließ es mit meiner eig⸗ nen Hand auf ſeinem Tiſche. Die Leute ſagten, er würde nicht lange aus ſein. Ich habe Nachrichten für ihn. Können Sie gleich mitkommen?“
Meine Antwort war, daß ich auf der Stelle durch den Thorweg hinausſchritt. Sie machte eine haſtige Geberde mit der Hand, als ob ſie mich um Geduld und Stillſchweigen bitten wollte, und kehrte ſich nach Lon⸗ don zu, woher ſie, wie ihr Anzug verrieth, eilends zu Fuße gekommen war.


