David Kopperfield. 143
chen, während wir langſam miteinander hin⸗ und her⸗ wandelten, und dann ſtahl ſich das Bild ſeines ver⸗ laſſenen häuslichen Herdes und des behaglichen Ausſe⸗ hens, welches es in meinen Kindesaugen dereinſt hatte, wenn des Abends das Feuer brannte und der Wind ringsum ächzte, ſehr lebhaft in mein Gemüth.
Eines Abends, um dieſe Stunde, erzählte er mir, daß er in der vorhergehenden Nacht, als er ausgegan⸗ gen, Martha vor ſeiner Wohnung wartend gefunden habe, und daß ſie ihn gebeten, London auf keinen Fall zu verlaſſen, bis er ſie wieder geſehen habe.
„Sagte ſie Ihnen, weshalb?“ erkundigte ich mich.
„Ich fragte ſie, Musje Davchen,“ erwiederte er, „aber ſie ſagt immer blos'n paar Worte, und ſie em⸗ pfing blos mein Verſprechen und ging dann fort.“
„Sagte ſie, wenn Sie ſie wiederzuſehen erwarten könnten?“ fragte ich.
„Nein, Musje Davchen,“ entgegnete er, ſich ge⸗ dankenvoll mit der Hand über ſein Geſicht ſtreichend; „ich that ſie auch darüber fragen, aber ſie meinte,'s wäre mehr, als ſie mir ſagen könnte.“
Da ich es längſt ſein gelaſſen hatte, ihn durch Hoff⸗ nungen zu ermuthigen, die an dünnen Fäden hingen, ſo gab ich dieſer Mittheilung keine andere Auslegung, als daß ich vermuthete, er werde ſie bald ſehen. Die weitern Gedanken, die es in mir aufſteigen ließ, behielt ich für mich, und dieſe waren hoffnungslos genug.
Etwa vierzehn Tage ſpäter ging ich allein im Gar⸗ ten ſpazieren. Ich erinnere mich dieſes Abends recht wohl. Es war der zweite in der Woche, in welcher Mr. Micawber uns in ſolcher peinlichen Ungewißheit erhielt.
Es hatte den ganzen Tag über geregnet, und es
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