136 David Kopperfield.
und blickte ihm aufmerkſam zu. Trotz der Abneigung, mit der ich die Idee betrachtete, ihn zu einem Auf⸗ ſchluſſe zu verlocken, den er freiwillig nicht zu machen gedachte, würde ich ihn doch, bei dieſem Punkte ange⸗ langt, gefaßt haben, hätte ich ihn nicht in einem ſo wunderlichen Treiben beſchäftigt geſehen, wobei die merk⸗ würdigſten Dinge waren, daß er das Meſſer zum Ci⸗ tronenſchälen in den Keſſel ſteckte, den Zucker auf das Lichtputzſchiffchen legte, den Spiritus in den leeren Krug that und ganz gemüthlich daran ging, Waſſer aus ei⸗ nem Leuchter zu gießen. Ich ſah, daß eine Kriſis vor der Thür war, und ſie kam. Er warf klirrend alle ſeine Werkzeuge und Punſchbedürfniſſe zuſammen, erhob ſich von ſeinem Stuhle, zog ſein Taſchentuch heraus und brach in Thränen aus.
„Mein lieber Kopperfield,“ ſagte Mr. Micawber hinter ſeinem Schnupftuche,„dies iſt eine Beſchäftigung, welche vor allen andern ein ungetrübtes Gemüth und Selbſtachtung erfordert. Ich kann es nicht beſorgen. Es iſt unmöglich.“
„Herr Micawber,“ erwiederte ich,„was giebt es? Bitte, ſprechen Sie ſich aus. Sie ſind unter Freunden.“
„Unter Freunden,“ wiederholte Mr. Micawber, und Alles, was er bei ſich behalten, kam aus ihm hervor⸗ geſchoſſen.„Guter Himmel,'s iſt gerade, weil ich unter Freunden bin, daß mein Gemüthszuſtand der Art iſt, wie er iſt! Was es giebt, meine Herren? Was gäbe es denn nicht? Schurkenhaftigkeit giebt es, Nie⸗ derträchtigkeit giebt es, Täuſchung, Betrug, Verſchwö⸗ rung giebt es, und der Name der ganzen entſetzlichen Maſſe von Bosheit iſt— Heep!“
Meine Tante klatſchte in die Hände, und wir alle fuhren auf, als ob wir beſeſſen wären.


