134 David Kopperfield. Zu einer andern Zeit würde ich mich hieran ergötzt haben; aber ich fühlte, daß wir Alle geſpannt und un⸗ behaglich waren, und ich beobachtete Mr. Micawber in ſeinen Schwankungen zwiſchen einer augenſcheinlichen Ge⸗ neigtheit, etwas zu eröffnen, und einer entgegengeſetzten Geneigtheit, nichts zu eröffnen, ſo eifrig, daß ich in einem vollkommenen Fieber war. Traddles ſaß auf der Kante ſeines Stuhls, mit weit aufgeriſſenen Augen, ſein Haar ſtand ihm bedeutſamer zu Berge wie je, und er ſtarrte bald zu Boden, bald auf Mr. Micawber, ohne auch nur den Verſuch zu machen, ein Wort drein zu reden. Meine Tante hatte, obwohl ich ſah, daß ihre ſcharfſichtigſte Beobachtung auf unſern neuen Gaſt con⸗ centrirt war, ihre Sinne doch zu nützlicherem Gebrauche im Beſitze, als Einer von uns; denn ſie hielt ihn in der Unterhaltung feſt und machte es für ihn nothwendig, zu ſprechen, mochte er es nun gern thun oder nicht.
„Sie ſind ein alter Freund meines Neffen, Herr Micawber,“ ſagte meine Tante.„Ich wollte, ich hätte das Vergnügen gehabt, Sie ſchon früher zu ſehen.“
„Madame,“ erwiederte Mr. Micawber,„ich wünſchte, ich hätte die Ehre gehabt, Sie in einer frühern Pe⸗ riode zu kennen. Ich war nicht immer das Wrack, das Sie hier vor ſich ſehen.“
„Ich hoffe, Madame Micawber und Ihre Familie ſind wohl, mein Herr,“ ſagte meine Tante.
Mr. Micawber beugte ſein Haupt.„Sie ſind ſo wohl,“ bemerkte er verzweifelt nach einer Pauſe,„als Verbannte und Verſtoßene überhaupt hoffen können zu ſein.“
„Herr Gott im Himmel, mein Herr!“ rief meine Tante in ihrer plötzlich losfahrenden Weiſe aus.„Wo⸗ von ſchwatzen Sie nur?“


