22 David Kopperfield.
ſorgſam mit Nadel und Zwirn alle die Blätter des Kochbuchs, welche Zig zerriſſen hatte, an, und machte einen vollſtändigen verzweifelten kleinen Anlauf,„gut zu ſein“, wie ſie's nannte.
Aber die Zahlen hatten die alte feſtgewurzelte Nei⸗ gung— ſie wollten ſich nicht addiren laſſen. Wenn ſte mit Mühe zwei Items in das Rechnungsbuch einge⸗ tragen hatte, lief Zig über das Blatt, fegte mit ſei⸗ nem Schweife und wiſchte Alles aus. Ihr kleiner Mit⸗ telfinger an der rechten Hand wurde bis an das Gelenk mit Tinte beſchmutzt, und ich glaube, daß dies das einzige entſchiedene Ergebniß war, welches erreicht wurde.
Manchmal des Abends, wenn ich zu Hauſe und bei der Arbeit war— denn ich ſchrieb jetzt viel und fing an einigermaßen als Schriftſteller bekannt zu werden— legte ich meine Feder hin und beobachtete mein kindi⸗ ſches Weibchen, wie ſie verſuchte„gut zu ſein“. Zu⸗ erſt brachte ſie das ungeheure Rechnungsbuch herbeige⸗ ſchleppt und legte es mit einem tiefen Seußzer auf den Tiſch hin. Dann pflegte ſie es an der Stelle zu öff⸗ nen, wo Zig es den Abend vorher unlesbar gemacht hatte, und Zig herbeizurufen, um ſich ſeine Miſſethaten zu beſehen. Dies gab Gelegenheit zu einer Diverſion zu Zigs Gunſten, ſowie vielleicht, daß ihm zur Strafe die Naſe mit Tinte beſchmiert wurde. Dann hieß ſie Zig, ſich augenblicklich auf den Tiſch hinzulegen„wie ein Löwe“— was eins ſeiner Kunſtſtücke war, obſchon ich nicht ſagen kann, daß die Aehnlichkeit überraſchend gewe⸗ ſen wäre— und wenn er auf gehorſamer Laune war, gehorchte er. Dann pflegte ſie eine Feder zu nehmen und anzufangen zu ſchreiben, und ein Haar drin zu finden. Dann nahm ſie eine andere Feder und begann zu ſchrei⸗ ben und fand, daß ſte ſpritzte. Dann nahm ſie eine


