David Kopperfield. 21
Ich wußte es ſchon vor langer Zeit, daß ſie ein kin⸗ diſches Weibchen abgeben würde. Wenn Du vermiſ⸗ ſeſt, was ich gern ſein möchte, und, wie ich glaube, nie ſein werde, ſo ſage: Aber doch hat mich mein närri⸗ ſches, kindiſches Weibchen lieb. Denn das thu' ich al⸗ lerdings.“
Ich war noch nicht ernſt mit ihr geweſen, indem ich bis jetzt noch keine Vorſtellung gehabt, daß ſie ſelbſt ernſthaft ſei. Aber ihre liebevolle Natur war in dem, was ich jetzt von meinem ganzen Herzen zu ihr ſagte, ſo glücklich, daß ihr Geſicht ſich mit einem Lächeln über⸗ zog, ehe ihre thränenglänzenden Augen trocken waren. Sie war bald wirklich ein kindiſches Weibchen, indem ſte ſich auf die Diele draußen vor dem chineſiſchen Hauſe ſetzte und alle die kleinen Glocken eine nach der andern klingeln ließ, um Zig für ſeine jüngſte ſchlechte Aufführung zu beſtrafen, während Zig blinzelnd im Thorwege lag und den Kopf herausgeſteckt hatte und ſelbſt zu faul war, um ſich zu ärgern.
Dieſe Anſprache Dora's machte einen großen Ein⸗ druck auf mich. Ich ſchaue zurück auf die Zeit, von der ich ſchreibe; ich rufe die unſchuldige kleine Geſtalt, die ich ſo innig liebte, an, aus den Nebeln und Schat⸗ ten der Vergangenheit herauszukommen und ihr holdes Haupt noch einmal mir zuzukehren, und ich kann noch jetzt erklären, daß dieſe kleine Rede fortwährend in meinem Gedächtniſſe war. Ich mag ſie nicht aufs Beſte benutzt haben; ich war jung und unerfahren, aber nie verſchloß ich mein Ohr gegen ihren ungekünſtelten Vortrag.
Dora ſagte mir bald nachher, daß ſie im Begriffe ſtehe, eine wundervolle Hauswirthin zu werden. In Folge deſſen wiſchte ſie die Täfelchen ab, ſpitzte den Bleiſtift, kaufte ein ungeheures Rechnungsbuch, nähte


