10 David Kopperfield.
„Iſt irgend etwas paſſirt, Tante?“ fragte ich un⸗ ruhig.
„Nichts, Trot,“ erwiederte ſie.„Setz' Dich, ſetz⸗ Dich. Das kleine Blümchen iſt auf etwas übler Laune geweſen, und ich habe ihr Geſellſchaft geleiſtet. Das iſt Alles.“
Ich ſtützte meinen Kopf auf meine Hand und fühlte mich, als ich ſo daſaß und ins Feuer blickte, betrübter und niedergeſchlagener, als ich ſobald nach Erfüllung meiner ſtrahlendſten Hoffnungen hätte für möglich hal⸗ ten können. Als ich nachdenklich daſaß, begegnete ich zufällig den Augen meiner Tante, welche auf meinem Geſichte ruhten. Es war ein ängſtlicher Ausdruck in ihnen, aber er klärte ſich augenblicklich auf.
„Ich verſichere Ihnen, Tante,“ ſagte ich,„ich bin die ganze Nacht unglücklich geweſen, als ich dran dachte, daß Dora es wäre. Aber ich hatte keine andere Ab⸗ ſicht, als rückſichtsvoll und liebevoll über unſere häus⸗ lichen Angelegenheiten mit ihr zu ſprechen.“
Meine Tante nickte mir ermunternd zu.
„Du mußt Geduld haben, Trot,“ ſagte ſie.
„Natürlich. Der Himmel weiß, daß ich nicht un⸗ vernünftig drauf los fahren will, Tante.“
„Nein, nein!“ verſetzte meine Tante.„Aber das kleine Blümchen iſt ein ſehr zartes kleines Blümchen, und der Wind muß behutſam mit ihr umgehen.“
Ich dankte meiner guten Tante in meinem Herzen für ihre zärtliche Sorge um meine kleine Frau, und ich war überzeugt, ſie wiſſe, daß ich ihr danke.
„Meinen Sie aber nicht, Tante,“ begann ich nach einer weitern Pauſe, in der ich das Feuer betrachtet, „daß Sie Dora zu unſerm beiderſeitigen Beſten dann


