David Kopperfield. 9
wirklich gewöhnen mußt“(ich war entſchloſſen, dies durchaus nicht aufzugeben)„nach der Mary Anne zu ſehen. Ebenſo, ein Bischen für Dich und mich zu ſchaffen.“
„Ich wundere mich wahrhaftig, daß Du ſolche un⸗ dankbare Reden führen kannſt,“ ſchluchzte Dora.„Wo Du doch weißt, daß ich neulich, als Du ſagteſt, Du mochteſt gern ein Bischen Fiſch eſſen, ſelber ausging, Meilen auf Meilen, und es beſtellte, um Dich zu über⸗ raſchen.“
„Was ſehr freundlich von Dir war, mein Lieb⸗ ling,“ ſagte ich.„Ich fühlte dies ſo ſehr, daß ich's auf keinen Fall auch nur erwähnt haben würde, daß Du einen Lachs kaufteſt, der zu viel für Zwei war. Oder daß er ein Pfund ſechs Schilling koſtete, was mehr war, als wir daran wenden können.“
„Du hatteſt aber große Freude darüber,“ ſchluchzte Dora.„Und Du ſagteſt, ich wär' Dein gutes Mäuschen.“
„Und ich werde noch tauſend Mal ſo ſagen,“ er⸗ wiederte ich.
Aber ich hatte Dora's ſanftes, kleines Herz verwun⸗ det, und ſie war nicht zu tröſten. Sie war ſo pathe⸗ tiſch in ihrem Seufzen und Schluchzen, daß mir's zu Muthe war, als hätte ich ihr wer weiß was Beleidi⸗ gendes geſagt. Ich war gezwungen, in aller Eile fort⸗ zugehen, und mußte lange ausbleiben, und ich fühlte die ganze Nacht ſolche Beklemmung, daß mir's ganz elendiglich zu Muthe ward. Ich hatte das Gewiſſen eines Meuchelmörders und wurde von einem dunkeln Gefühle verfolgt, als ob ich ungeheuer niederträchtig ſei.
Es war zwei oder drei Stunden nach Mitternacht, als ich nach Hauſe kam. Ich fand, daß meine Tante in unſerm Hauſe geblieben war.


