David Kopperfield. 151
fordert meinen wärmſten Dank. Das fühle ich ganz außerordentlich.“
Ich höre ihn und ſchüttle ihm die Hand, und wir ſchwatzen und wandeln und ſpeiſen und ſo weiter; aber ich glaube nicht daran. Nichts iſt wirklich.
Sophie kommt im Hauſe der Tanten Dora's an zu rechter Zeit. Sie hat das angenehmſte Geſicht— nicht geradezu ſchön, aber außerordentlich gefällig— und iſt eins der geiſtreichſten, ungezwungenſten, offen⸗ ſten, einnehmendſten Weſen, die ich je geſehen habe. Traddles ſtellt ſie uns mit großem Stolze vor und reibt ſeine Hände zehn Minuten lang, wobei jedes einzelne Haar auf ſeinem Kopfe zu Berge ſteht, als ich ihm in einer Ecke zu ſeiner Wahl Glück wünſche.
Ich habe Agnes von der Poſtkutſche in Canterbury abgeholt, und ihr heiteres und ſchönes Antlitz iſt zum zweiten Male unter uns. Agnes fühlt eine große Nei⸗ gung zu Traddles, und es iſt köſtlich, ihr Zuſammen⸗ treffen zu ſehen und das leuchtende Geſicht Traddles' zu beobachten, als er das herzigſte Mädchen in der Welt ihrer Freundſchaft empfiehlt.
Aber noch immer glaube ich's nicht. Wir verleben einen wonnigen Abend und ſind auf der höchſten Staf⸗ fel des Glücks, aber ich glaube es doch nicht. Ich ver⸗ mag mich nicht zu ſammeln. Ich vermag mir über mein Glück nicht Rechenſchaft zu geben, als es eintritt. Ich befinde mich in einem nebelhaften und ungewiſſen Zu⸗ ſtande, wie wenn ich eine oder ein paar Wochen vor⸗ her ſehr zeitig am Morgen aufgeſtanden und ſeitdem nie zu Bett gekommen wäre. Ich kann mir nicht klar werden, wenn geſtern war. Mir iſt's, als ob ich die Heirathserlaubniß viele Monate ſchon in der Taſche mit mir herumgetragen hätte.


