Teil eines Werkes 
7. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 149

Sie reibt Alles, was ſich nur reiben läßt, bis es von der fortwährenden Friction glänzt wie ihr eignes wacke⸗ res Antlitz. Und jetzt iſt's, daß ich ihren einſamen Bruder des Nachts durch die dunkeln Straßen ſchreiten und während ſeines Dahinwandelns nach den vorüber⸗ gehenden Geſichtern blicken ſehe. Ich ſpreche zu ſolch einer Stunde nie zu ihm. Ich weiß, wenn ſeine ernſte Geſtalt weiter ſchreitet, zu wohl, was er ſucht und was er fürchtet.

Weshalb macht Traddles eine ſo wichtige Miene, als er mich dieſen Nachmittag in den Commons beſucht, wo ich gelegentlich der Form wegen, wenn ich Zeit habe, noch arbeite? Die Verwirklichung meiner knabenhaften Traumbilder iſt da. Ich ſtehe im Begriff, mir die Hei⸗ rathserlaubniß zu holen.

Es iſt ein kleines Document, das ſo viel ausrich⸗ tet, und Traddles betrachtet es, als es ſo auf meinem Pulte liegt, halb verwundert und halb ehrfurchtsvoll. Da ſtehen die Namen in der Verbindung, wie ich ſie ſo hold dereinſt in meinen Träumen ſah: David Kop⸗ perfield und Dora Spenlow; und da in der Ecke ſchaut jene Einrichtung der Väter, die Stempelcanzlei, die ſo wohlwollendes Intereſſe nimmt an den verſchiedenen Vor⸗ kommniſſen des menſchlichen Lebens, auf unſere Ver⸗ einigung hernieder; und dort ruft der Erzbiſchof von Canterbury einen gedruckten Segenswunſch auf uns herab, was er ſo billig beſorgt, als man's nur er⸗ warten kann.

Trotzdem bin ich in einem Traume, einem wirren, ſeligen, haſtigen Traume. Ich kann nicht glauben, daß es wirklich ſein wird; und andererſeits kann ich doch auch wieder nicht anders, als glauben, daß Jedermann, an dem ich in der Straße vorübergehe, irgendwie etwas