Teil eines Werkes 
7. Theil (1850)
Entstehung
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142 David Kopperfield.

Doctors Hauſe noch ſtattfand, bemerkte ich, daß der Brief⸗ träger jeden Morgen zwei oder drei Briefe für Uriah Heep brachte, welcher, da er freie Zeit hatte, in High⸗ gate blieb, bis die Uebrigen zurückkehrten, und daß dieſe ſtets in geſchäftlicher Weiſe von Mr. Micawber abge⸗ ſchickt waren, welcher jetzt eine runde Advocatenhand annahm. Ich bemerkte aus dieſen leiſen Spuren mit Vergnügen, daß Mr. Micawber gut thue, und war in Folge deſſen ſehr erſtaunt, um dieſe Zeit den folgenden Brief von ſeiner liebenswürdigen Gattin zu empfangen:

Canterbury, Montag, Abend.

Sie werden ohne Zweifel erſtaunen, mein lieber Herr Kopperfield, dieſe Mittheilung zu erhalten. Noch mehr aber über ihren Inhalt. Und noch mehr über die Verpflichtung zu unbedingtem Vertrauen, welches ich in mich zu ſetzen bitte. Aber meine Gefühle als Gattin und Mutter verlangen Troſt, und da ich meine Familie(die dem Gemüthe Micawbers ohnehin ſchon verhaßt iſt) nicht um Rath zu fragen wünſche, ſo kenne ich Niemand, bei dem ich beſſer Rath ſuchen könnte, als meinen Freund und ehemaligen Abmiether.

Es wird Ihnen bekannt ſein, mein lieber Herr Kop⸗ perfield, daß zwiſchen mir und Micawber(den ich nie verlaſſen will) ſich ſtets ein Geiſt gegenſeitigen Vertrauens erhalten hat. Micawber mag dann und wann einen Wechſel ausgeſtellt haben, ohne mich um meine An⸗ ſicht zu fragen, oder er mag mich in Bezug auf die Periode, wo dieſer Schuldſchein zahlbar werden würde, falſch berichtet haben. Dies hat in der That ſtattge⸗ funden. Aber im Allgemeinen hat Micawber keine Ge⸗ heimniſſe vor dem Buſen der Liebe ich ſpiele auf

ſeine Gattin an gehabt und unabänderlich jedesmal,