David Kopperfield. 141
zu ſein. Ich glaube, daß er ſelten ein Dutzend Worte in einer Stunde ſprach, aber ſeine ſtille Theilnahme und ſein aufmerkſam zuhorchendes Geſicht fanden ein augen⸗ blickliches Echo in Beider Bruſt; Jedes wußte, daß das Andere es liebte, und daß er Beide liebte, und er wurde, was Niemand anders ſein konnte— ein Verbindungs⸗ glied zwiſchen ihnen.
Wenn ich an ihn mit ſeinem Geſichte voll uner⸗ forſchlicher Klugheit denke, wie er mit dem Doctor auf⸗ und abwandelte, glückſelig, mit den unverſtändlichen Worten in dem Wörterbuche überſchüttet zu werden;— wenn ich an ihn denke, wie er gewaltige Gießkannen hinter Annie herſchleppte, niederkniete, um mit wahren Tatzen von Handſchuhen geduldig ſeine mikroskopiſche Arbeit unter den kleinen Blättern zu verrichten; in Jedem, was er that, ſo trefflich, wie kein Philoſoph gekonnt hätte, ſeinen Wunſch, ihr Freund zu ſein, ausdrückte; Mit⸗ leid, Treue und Liebe aus jedem Loche in der Gieß⸗ kanne ſtrömte;— wenn ich an ihn denke, wie er nie von jenem ſeinem beſſern Ich, an welches das Unglück ſich wendete, abirrte, nie den unſeligen König Karl in den Garten brachte, nie in ſeinem wohlthuend empfun⸗ denen Dienſte wankte, nie von ſeinem Bewußtſein, daß etwas nicht recht ſei, und von ſeinem Wunſche, es zu⸗ recht zu richten, ließ— ſo fühle ich mich wirklich ſchier beſchämt, gewußt zu haben, daß er nicht ganz bei Ver⸗ ſtande war, wenn ich das Aeußerſte in Anſchlag bringe, was ich mit dem meinen gethan habe.
„Niemand als ich weiß, was dieſer Mann iſt,“ pflegte meine Tante ſtolz zu bemerken, wenn wir dar⸗ über ſprachen.„Dick wird ſich noch auszeichnen!“
Ich muß auf einen andern Punkt zurückkommen, ehe ich dieſes Kapitel ſchließe. Als der Beſuch in des


