David Kopperfield. 143
wenn wir uns zur Ruhe begaben, die Ereigniſſe des Tages erzählt.
Sie werden ſich ſelbſt vorſtellen können, mein lie⸗ ber Herr Kopperfield, was für ein ſchmerzhaftes Gefühl mich erfüllen muß, wenn ich Sie benachrichtige, daß Micawber völlig verändert iſt. Er iſt verhalten. Er iſt geheimnißvoll. Sein Leben iſt der Theilhaberin ſei⸗ ner Freuden und Schmerzen— ich ſpiele hier abermals auf ſeine Gattin an— ein Geheimniß; und wenn ich Ihnen das Unglaubliche verſichere, daß es vom Morgen bis in die Nacht in der Expedition verbracht wird, ſo weiß ich davon weniger als von jenem Manne im Sü⸗ den, in Verbindung mit deſſen Munde die gedanken⸗ loſen Kinder eine dumme Geſchichte von einer kalten Roſinenſuppe erzählen— um mich eines volksthümlichen Irrthums zur Verdeutlichung einer wirklichen Thatſache zu bedienen.
Aber das iſt nicht Alles. Micawber iſt mürriſch. Er iſt ernſthaft. Er iſt unſerm älteſten Sohn und der Tochter entfremdet, er hat keinen Stolz mehr an ſeinen Zwillingen, er ſieht mit kaltem Blicke auf den ſchuld⸗ loſen Fremdling, welcher zuletzt ein Glied unſeres Krei⸗ ſes wurde. Die pekuniären Mittel zur Beſtreitung un⸗ ſerer Ausgaben, die ich auf den äußerſten Heller berechne, ſind von ihm mit der größten Schwierigkeit zu erlangen, ja ſogar unter furchtbaren Drohungen, daß er ſich für ſich ſelbſt einrichten will(genau wie er ſich ausdrückt), und er weigert ſich unerbittlich, irgend eine Erklärung dieſes entſetzlichen Verfahrens zu geben.
Das iſt hart zu ertragen. Das iſt herzzerreißend. Wenn Sie, die Sie meine ſchwachen Kräfte kennen, mir rathen wollen, wie ich dieſelben in einem ſolchen ungewohnten Dilemma anwenden könnte, würden Sie


