David Kopperfield. 133
Dazwiſchentreten hätte ſein können, betrachtet, iſt, fürcht' ich, nur zu wahr. Vieles, was ich geſehen, aber nicht bemerkt habe, iſt mit neuer Bedeutung in dieſer Stunde der Prüfung über mich zurückgekommen. Aber über das Geſagte hinaus, meine Herren, muß der Name dieſer theuren Dame nie mit einem Worte oder Athem⸗ zuge von Verdacht verbunden werden.“
Für ein Weilchen erglänzte ſein Auge, und ſeine Stimme klang feſt; für ein Weilchen wieder war er ſchweigſam. Bald darauf fuhr er wie vother fort:
„Es bleibt mir nichts übrig, als das Bewußtſein des Unglücks, wozu ich Gelegenheit gegeben, ſo demüthig zu tragen, als ich vermag. Sie iſt's, welche zu tadeln hat, nicht ich. Sie vor Mißdeutung, grauſamer Miß⸗ deutung zu bewahren, die ſelbſt meine Freunde nicht zu vermeiden im Stande waren, wird meine Pflicht. Je zurückgezogener wir leben, deſto beſſer werde ich im Stande ſein, ſie zu erfüllen. Und wenn die Zeit kommt— möge ſte bald kommen, wenn es ſein gnadenvolles Wohl⸗ gefallen iſt!— wo mein Tod ſie von ihrem Zwange erlöſen wird, dann werde ich meine Augen mit einem Blicke unbegränzter Zuverſicht und Liebe auf ihr edles Antlitz ſchließen und ſie, ohne Kummer ſodann, verlaſ⸗ ſen, damit ſie glücklichere und heiterere Tage ſehe.“
Ich konnte ihn vor den Thränen, die ſeine tiefe Erregung und ſeine Güte, welche die vollkommen kind⸗ liche Einfalt ſeines Weſens ſo ſchmückte und wiederum von dieſen Eigenſchaften geſchmückt wurde, mir in die Augen drängten, nicht ſehen. Er hatte ſich nach der Thür bewegt, als er hinzufügte:
„Meine Herren, ich habe Ihnen mein Herz gezeigt. Ich halte mich verſichert, Sie werden es achten. Was wir heute Abend geſprochen haben, ſoll nie wieder er⸗


