132 David Kopperfield.
ben fürchte, indem ich(ohne es aber je ſo zu meinen) ihre Dankbarkeit und Zuneigung benutzte, ſo bitte ich in meinem Herzen dieſe Dame um Verzeihung.“ Err ging durch das Zimmer und kam zu demſelben Platze zurück, wobei er den Stuhl mit einem Griffe faßte, welcher zitterte, wie ſeine gedämpfte Stimme in ihrer tiefen Erregung.
„Ich betrachtete mich als einen Zufluchtsort für ſie aus den Gefahren und Drangſalen des Lebens. Ich üͤberredete mich, daß ſie, ſo ungleich wir auch an Jah⸗ ren wären, doch ruhig und zufrieden mit mir leben würde. Ich ſchloß von meiner Betrachtung die Zeit nicht aus, wo ich ſie frei und immernoch jung und ſchön, aber mit gereifterem Urtheile zurücklaſſen würde— nein, meine Herren— auf mein Wort!“
Seine gebrechliche Geſtalt ſchien erhoben durch ſeine Treue und ſeinen Edelſinn. Jedes ſeiner Worte hatte eine Gewalt, welches ihm keine andere Anmuth hätte verleihen können.
„Mein Leben mit dieſer Dame iſt ſehr glücklich ge⸗ weſen. Bis heute Abend habe ich ununterbrochen Ge⸗ legenheit gehabt, den Tag zu ſegnen, an dem ich ihr ſo großes Unrecht that.“
Seine Stimme, die beim Ausſprechen dieſer Worte mehr und mehr bebte, verſagte ihm auf einige Augen⸗ blicke, dann fuhr er fort:
„Einmal aufgeweckt aus meinem Traume— ich bin in dieſer und jener Weiſe mein Lebelang ein armer Träumer geweſen— ſehe ich, wie natürlich es iſt, daß ſie ihren alten Lebensgefährten und den ihr an Alter gleichen mit einer Art Reue betrachtet. Daß ſie ihn wirklich mit einer Art ſchuldloſer Reue, mit gewiſſen nicht zu tadelnden Gedanken an das, was ohne mein


