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David Kopperfield. 117
mit Miß Lavinia ausgemacht, und Agnes wurde zum Thee erwartet.
Ich war ganz außer mir vor Stolz und ängſtlicher Haſt, vor Stolz auf meine kleine Verlobte, vor ängſt⸗ licher Haſt, daß Agnes ſie liebenswürdig finden möchte. Den ganzen Weg nach Putney, wo Agnes in der Poſt⸗ kutſche und ich außen ſaß, malte ich mir Dora mit einer jeden der niedlichen Mienen aus, die ich ſo gut kannte, indem ich mir jetzt dachte, daß ich froh ſein würde, wenn ſie genau ſo ausſähe, wie ſie zu dieſer Zeit aus⸗ geſehen; jetzt wieder zweifelhaft war, ob ich's nicht vor⸗ ziehen ſollte, wenn ſie ausſähe, wie ſie bei jener andern Gelegenheit ausgeſehen, und mich darüber ſchier in ein Fieber hineinängſtigte.
Ich war von keinem Zweifel gequält, daß ſie auf jeden Fall ſehr niedlich ſei, aber es traf ſich gerade, daß ich ſie nie ſo hübſch geſehen hatte. Sie war nicht im Geſellſchaftszimmer, wenn ich Agnes ihren kleinen Tanten vorſtellte, ſondern hielt ſich ſchüchtern wo ver⸗ borgen. Ich wußte, wo ich ſie zu ſuchen hatte, und ſicher genug fand ich ſie, wie ſie ſich wieder die Ohren zuhielt, hinter derſelben düſtern alten Thür.
Zuerſt wollte ſie gar nicht kommen, und dann machte ſie fünf Minuten lang, wie meine Uhr zeigte, allerhand Ausflüchte. Als ſie endlich ihren Arm durch den mei⸗ nen ſteckte, um ſich nach dem Geſellſchaftszimmer führen zu laſſen, war ihr bezauberndes Geſichtchen von bren⸗ nender Röthe übergoſſen und war nie ſo niedlich ge⸗ weſen. Als wir aber in das Zimmer traten und es erblaßte, war ſie noch zehntauſendmal hübſcher.
Dora fürchtete ſich vor Agnes. Sie hatte mir ge⸗ ſagt, daß ſie wiſſe, Agnes ſei„zu geiſtreich“. Aber als ſie ſie zugleich ſo heiter und ſo ernſt und ſo gedan⸗


