116 David Kopperfield.
den Glauben ein, daß alle andern Leute das Gleiche thun, denk' ich,“ entgegnete ich ihm.
„'s iſt vielleicht ſ, Musje Kopperfield,“ erwiederte er.„Aber ich habe'nen Beweggrund, wie mein Com⸗ pagnon zu ſagen pflegte, und ich gehe auf denſelben durch Dick und Dünne los. Man muß nicht zu viel darauf rechnen, daß ich'ne niedrige Perſon bin. Ich kann den Leuten nicht erlauben, mir in den Weg zu treten. Wahrhaftig, ſie müſſen dann aus der Karre ſteigen, Musje Kopperfield.“
„Ich verſtehe Sie nicht,“ verſetzte ich.
„Ei gar, ſo?“ entgegnete er mit einer ſeiner Aal⸗ windungen.„Ich bin erſtaunt darüber, Musje Kop⸗ perfield, da Sie doch ſonſt ſo ſchnell faſſen. Ich will ein ein ander Mal verſuchen, deutlicher zu ſein.— Iſt das da Herr Maldon auf dem Pferde, der die Glocke am Gitterthor zieht?“.
„Es ſieht ſo aus,“ antwortete ich, ſo ſorglos, als ich konnte.
Uriah blieb kurz ſtehen ſchob ſeine Hände zwiſchen ſeine großen, Baumknorren ähnliche Kniee und verdop⸗ pelte ſeinen umfang durch Gelächter. Durch ein ganz ſtilles Gelächter. Nicht ein Laut entſchlüpfte ihm. Ich war von ſeinem widerwärtigen Benehmen ſo abgeſto⸗ ßen, vorzüglich bei dieſer Schlußwendung, daß ich mich ohne Ceremonie abwendete und ihn verdoppelt an Um⸗ fang in der Mitte des Gartens gleich einer ihrer Stütze beraubten Vogelſcheuche zurückließ.
Es war nicht an dieſem Abende, ſondern, wie ich mich ſehr wohl erinnere, am übernächſten Abende, wel⸗ cher ein Sonnabend war, daß ich Agnes mit mir nahm, um Dora zu ſehen. Ich hatte den Beſuch im Voraus


