David Kopperfield. 115
noch. Aber ich konnte dergleichen nicht leiden— und ich kanns jetzt noch nicht leiden.“
Er hörte jetzt auf ſein Kinn zu kratzen und ſog ſeine Backen nach innen, bis ſie inwendig zuſammenſtießen, wobei er die ganze Zeit ſeinen Seitenblick auf mich ge⸗ heftet hielt.
„Sie iſt eine von unſern liebenswürdigen Däm⸗ chen,“ fuhr er fort, als er langſam ſeinem Geſichte wie⸗ der ſeine natürliche Geſtalt gegeben hatte,„und wie ich wohl weiß, bereit, nie als Freund zu handeln gegen Leute wie ich. Sie iſt gerade die Perſon darnach, um meiner Agnes ein höheres Spiel anzurathen. Nun, ich bin keiner von den Männern, wie ſie Eure Damens gerne haben, Musje Kopperfield; aber ich habe ſchon eine ziemlich lange Zeit Augen in meinem Kopfe gehabt. Wir niedrigen Leute haben mehrſtentheils Augen im Kopfe— und wir gucken uns mit ihnen um.“
Ich verſuchte eine Miene zu machen, als ob ich ihn nicht verſtünde und nicht aus meiner Ruhe gebracht wäre, aber, wie ich an ſeinem Geſichte bemerkte, mit nur geringem Erfolge.
„Nun hab' ich keine Luſt, mich niederrennen zu laſ⸗ ſen, Kopperfield,“ ſprach er weiter, indem er mit bos⸗ haftem Triumphe den Theil ſeines Geſichts erhob, wo ſeine rothen Augenbrauen geweſen ſein würden, wenn er überhaupt dergleichen gehabt hätte,„und ich werde thun, was ich kann, um dieſer Freundſchaft ein Ende zu machen. Ich billige ſie nicht. Ich ſtehe nicht an, vor Ihnen zu bekennen, daß ich eine ziemlich neidiſche Gemüthsart habe und alle Eindringlinge abzuhalten wünſche. Ich habe keine Luſt, wo ich's weiß, zu ris⸗ kiren, daß man gegen mich Ränke ſchmiedet.“
„Sie ſchmieden allezeit Ränke und reden ſich ſelbſt
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