114 David Kopperfield.
„Als ich nur ein beſcheidener Schreiber war, ſah ſie ſtets erhaben auf mich herab. Sie wollte in Einem weg meine Agnes hinten und vorne in ihrem Hauſe haben, und Sie war immer gut Freund mit Sie, Musje Kopperfield; aber ich ſtand zu tief unter ihr, daß ſie von mir Notiz genommen hätte.“
„Gut,“ ſagte ich;„geſetzt den Fall, dies wäre richtig!“
„— und zu tief auch unter ihm,“ fuhr Uriah ſehr deutlich und in einem nachdenklichen Tone ſprechend, fort, während er immernoch ſein Kinn kratzte.
„Kennen Sie den Doctor nicht beſſer,“ verſetzte ich,„um zu glauben, daß er etwas von Ihrem Vor⸗ handenſein wüßte, wofern Sie nicht vor ihm ſtehen?“
Er richtete ſeine Augen abermals mit jenem Sei⸗ tenblicke auf mich und zog, um ſich bequemer kratzen zu können, ſein Geſicht ſo zuſammen, daß man ihm faſt durch die dürren Backen ſehen konnte, während er ant⸗ wortete:
„Oh mein Gott, ich beziehe mich ja nicht auf den Doctor! Oh nein, der arme Mann! Ich meine den Herrn Maldon.“
Mein Herz erſtarb mir völlig. Alle meine alten Zweifel und Befürchtungen hinſichtlich dieſes Gegenſtan⸗ des, alles Glück und aller Frieden des Doctors, alle die durcheinanderfließenden Möglichkeiten von Unſchuld und Verbrechen, die ich nicht zu entwirren vermochte, ſah ich in einem Augenblicke der Barmherzigkeit dieſes Ränkeſchmieds anheimgegeben.
„Er konnte niemals in die Expedition kommen, wo er mir nicht Befehle gab und mich hin⸗ und herſchob,“ verſetzte Uriah.„Er war einer unſer feinen Herrchen! Ich war ſehr gelaſſen und demüthig— und ich bin's


