David Kopperfield. 11
„Geſtern Abend nach dem Thee,“ fuhr Miß Murd⸗ ſtone fort,„beobachtete ich den kleinen Hund, wie er durch das Geſellſchaftszimmer ſprang, ſich kugelte und knurrte und etwas herumzerrte. Ich ſagte zu Fräulein Spenlow: Dora, was iſt das, was der Hund da in ſeinem Maule hat?'s iſt Papier.— Fräulein Spen⸗ low fuhr augenblicklich mit der Hand in die Rockeaſche,
ſtieß einen plötzlichen Schrei aus und lief auf den Hund
zu. Ich trat dazwiſchen und ſagte: Dora, meine Liebe, Sie müſſen mir erlauben.“
Oh Zig, miſerabler Wachtelhund, ſo war dieſes Elend alſo Dein Werk!
„Fräulein Spenlow,“ ſagte Miß Murdſtone,„ver⸗ ſuchte es, mich mit Küſſen, Arbeitskörbchen und kleinen Juwelierarbeiten zu beſtechen— worüber ich natürlich hinweggehe. Der kleine Hund zog ſich, als ich mich ihm näherte, unter das Sopha zurück und wurde mit großer Mühe mit Hülfe der Feuerhaken von dort ver⸗ trieben. Selbſt als er hervorgetrieben war, behielt er den Brief im Maule, und als ich mich bemühte, ihm den⸗ ſelben wegzunehmen, wobei ich die äußerſte Gefahr lief, gebiſſen zu werden, hielt er ihn ſo hartnäckig in den Zähnen feſt, daß er ſich vermittelſt des Documents in der Schwebe halten ließ. Endlich gelangte ich in Beſitz deſſelben. Nachdem ich's geleſen, tadelte ich Fräulein Spenlow, daß ſie gewiß noch viele ſolcher Briefe be⸗ ſitze, und erlangte ſchließlich von ihr das Packet, welches jetzt in David Kopperſields Hand iſt.“
Hier ſchloß ſie ihren Bericht, und indem ſie ihren Strickbeutel wieder zuſchnappte und den Mund ſchloß, machte ſie eine Miene, als ob ſie vielleicht gebrochen, nie aber gebeugt werden könnte.
„Ich habe jetzt Fräulein Murdſtone gehört,“ ſagte


