10 David Kopperfield.
mieden, es gegen den Vater des Fräulein Spenlow zu
erwähnen,“ ſie ſah ihn hierbei ſtrengen Blickes an, „indem ich wußte, wie wenig man in ſolchen Fällen geneigt iſt, die gewiſſenhafte Erfüllung übernommener Pflichten anzuerkennen.“
Mr. Spenlow ſchien durch die noble Ernſthaftigkeit im Benehmen der Miß Murdſtone völlig eingeſchüchtert
und ſuchte ihre Strenge durch eine verſöhnliche leiſe Hand⸗
bewegung zu beſänftigen.
„Bei meiner Rückkehr nach Norwood, nach der Periode meiner durch die Hochzeit meines Bruder her⸗ beigeführten Abweſenheit,“ fuhr Miß Murdſtone mit verächtlicher Stimme fort,„und der Rückkehr des Fräu⸗ leins Spenlow von ihrem Beſuche bei ihrer Freundin Fräulein Mills kam mir's vor, daß das Benehmen von Fräulein Spenlow mir mehr Gelegenheit zum Ver⸗ dachte gäbe. Ich beobachtete deshalb Fräulein Spenlow ſcharf.“
Armes, liebes, zartes Dorachen, die Du ſo wenig an das Auge dieſes Drachen dachteſt!
„Noch immer fand ich jedoch,“ fuhr Miß Murd⸗ ſtone fort,„nicht eher einen Beweis, als geſtern Abend. Es ſchien mir, als ob Fräulein Spenlow zu viele Briefe von ihrer Freundin Miß Mills empfinge; da aber Fräu⸗ lein Mills ihre Freundin mit dem vollen Wiſſen ihres Vaters war“— hier traf Mr. Spenlow ein aberma⸗ maliger ſprechender Blick,„ſo kam mir's nicht zu, da⸗ zwiſchen zu treten. Wenn man mir nicht erlaubt, auf die natürliche Verderbtheit des menſchlichen Herzens an⸗ zuſpielen, ſo möchte— ſo muß— man mir wenig⸗ ſtens erlauben, von übelangebrachtem Vertrauen zu reden.“
Mr. Spenlow murmelte ſeine Beiſtimmung.


