David Kopperfield. 157
deutung, und verbarg mein Geſicht vor dem Lichte in die Kiſſen des Sophas.
Zuerſt dachte Miß Mills, es ſei ein Zank und wir näherten uns der Wüſte Sahara, aber ſie entdeckte bald, wie die Sachen ſtanden; denn meine theure, liebevolle, kleine Dora begann, indem ſie ſie umarmte, auszuru⸗ fen, daß ich„ein armer Tagelöhner“ ſei; und dann ſchrie ſie nach mir und umarmte mich und fragte, ob ich ihr geſtatten wollte, mir all ihr Geld zu geben; und dann fiel ſie Miß Mills um den Hals und ſeufzte, als ob ihr zärtliches Herz gebrochen ſei.
Miß Mills mußte geboren worden ſein, um für uns ein Segen zu werden. Sie verſicherte ſich in wenigen Worten von mir, um was es ſich Alles handelte, tröſtete Dora, überzeugte ſie nach und nach, daß ich kein Ta⸗ gelöhner ſei— nach meiner Art, die Sache vorzutra⸗ gen, ſchloß Dora, glaub' ich, daß ich ein Schiffersmann geworden ſei und den ganzen Tag mit einem Schubkarren auf einer ſchwankenden Planke auf- und abfahre— und brachte uns ſo in Frieden zuſammen. Als wir ganz beruhigt waren und Dora hinaufgegangen war, um ſich etwas Roſenwaſſer auf ihre verweinten Augen zu thun, klingelte Miß Mills nach dem Thee. In der hierauf folgenden Zwiſchenzeit ſagte ich Miß Mills, daß ſie ſtets und ewig meine Freundin ſei, und daß mein Herz erſt zu ſchlagen aufhören müſſe, ehe ich ihr Mit⸗ gefühl vergeſſen könnte.
Ich ſetzte dann Miß Mills das auseinander, was ich mit ſo üblem Erfolge Dora auseinanderzuſetzen ver⸗ ſucht hatte. Miß Mills erwiederte, auf Grund allge⸗ meiner Sittenlehre, daß die Hütte voll Zufriedenheit beſſer als der Palaſt voll kalter Pracht ſei, und daß wo Liebe wäre, Alles wäre.


