158 David Kopperfield.
Ich ſagte zu Miß Mills, daß dies ſehr wahr ſei, und daß Niemand dies beſſer wiſſe als ich, der ich Dora mit einer Gluth liebe, von der bis jetzt noch nimmer ein Sterblicher etwas erfahren. Als aber Miß Mills zagen⸗ den Tones bemerkte, daß es für manches Herz wahrlich gut ſein würde, wenn ſich's ſo verhielte, ſo erklärte ich, daß ich um Erlaubniß bäte, die Bemerkung auf die Sterblichen männlichen Geſchlechts zu beſchränken.
Ich legte dann Miß Mills die Frage vor, mir zu ſagen, ob ein oder kein praktiſches Verdienſt in dem Rathe gelegen habe, den ich mich in Bezug auf die Marktpreiſe, die Haushaltung und das Kochbuch Dora zu ertheilen beeilt hatte.
Miß Mills entgegnete nach einiger Ueberlegung:
„Herr Kopperfield, ich will aufrichtig mit Ihnen ſein. Geiſtige Leiden und Prüfungen erſetzen in man⸗ chen Naturen die Stelle von Jahren, und ich will ſo aufrichtig mit Ihnen ſein, als ob ich eine Frau Aeb⸗ tiſſin wäre. Nein. Jener Rath paßt nicht für unſere Dora. Unſere theuerſte Dora iſt ein Lieblingskind der Natur. Sie iſt ein Weſen gewebt von Licht, Heiter⸗ keit und Freude. Ich darf zugeſtehen, daß es gut ſein würde, wenn es ſich thun ließe, aber—“ Und Miß Mills ſchüttelte ihr Haupt.
Ich wurde durch dieſes ſchließliche Zugeben auf Sei⸗ ten der Miß Mills ermuthigt, ſie zu fragen, ob ſie Dora's wegen, wenn ſich ihr eine Gelegenheit böte, ihre Aufmerkſamkeit auf ſolche Vorbereitungen für ein ernſt⸗ haftes Leben zu richten, ſich derſelben bedienen würde. Miß Mills gab eine bejahende Antwort ſo unverzüg⸗ lich, daß ich ſie weiter fragte, ob ſie wohl das Koch⸗ buch in Empfang nehmen und, wenn ſie je Dora ver⸗ mögen könne, es anzunehmen, ohne ſie dadurch zu äng⸗


