Teil eines Werkes 
6. Theil (1850)
Entstehung
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V

David Kopperfield. 153

ich begonnen hätte praktiſch zu ſein und in die Zu⸗ kunft zu blicken; wie eine im Schweiße des Angeſichts erworbene Brotrinde weit beſſer ſchmecke, als ein ge⸗ erbter Schmaus, und noch viel mehr zu demſelben Zwecke, was ich Alles in einem Ausbruche leidenſchaftlicher Be⸗ redſamkeit vortrug, der mich völlig in Erſtaunen ver⸗ ſetzte, obſchon ich die ganze Zeit, ſeit meine Tante mir die Schreckensbotſchaft mitgetheilt, Tag und Nacht dar⸗ über nachgegrübelt hatte.

Iſt Dein Herz immernoch mein? ſagte ich be⸗ geiſtert; denn ich ward an ihrem Anſchmiegen an mich inne, daß dies der Fall ſei.

Oh ja! ſchrie Dora.O ja wohl, es iſt ganz Dein. Oh, ſei nur nicht ſo entſetzlich!

Ich ſollte entſetzlich ſein! Meiner Dora entſetzlich!

Sprich mir nicht von Armſein und harter Ar⸗ beit! ſagte Dora, indem ſie ſich näher an mich ſchmiegte. Oh, bitte, nein, thu' das nicht!

Meine theuerſte Geliebte, entgegnete ich;eine im Schweiße des Angeſichts erworbene Brotrinde

Oh ja; aber ich mag nichts mehr von Brotrinden hören! ſagte Dora.Und Zig muß alle Tage um zwölf Uhr ein Schöpſencotelett haben, ſonſt wird er ſterben.

Ich war ganz bezaubert von ihrem kindiſchen, ge⸗ winnenden Weſen. Ich ſetzte ihr zärtlich auseinander, daß Zig ſein Schöpscotelett mit gewohnter Regelmäßig⸗ keit haben ſollte. Ich malte ihr das Bild unſerer ein⸗ fachen Häuslichkeit aus, die durch meine Arbeit unab⸗ hängig ſein würde, und ſkizzirte ihr dabei das Häus⸗ chen, welches ich zu Highgate geſehen hatte, und meine Tante in ihrer Stube eine Treppe oben.

Jetzt bin ich doch wohl nicht mehr entſetzlich, Dora? fragte ich zärtlich.