Teil eines Werkes 
6. Theil (1850)
Entstehung
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152 David Kopperfield.

wendig, hier offen mit der Sprache herauszugehen, und ſo wiederholte ich:

Dora, mein Leben, ich bin Dein zu Grunde ge⸗ richteter David!

Ich erkläre Dir, daß ich Zig auf Dich hetzen werde, ſagte Dora, indem ſie ihre Locken ſchüttelte,wenn Du Dich ſo lächerlich benimmſt.

Aber ich ſah ſo ernſthaft aus, daß Dora das Schüt⸗ teln ſein ließ und ihr zitterndes Händchen auf meinen Arm legte und zuerſt eine verwirrte und ängſtliche Miene machte und dann laut zu weinen begann. Das war ent⸗ ſetzlich. Ich fiel vor dem Sopha auf meine Knie, ſchmei⸗ chelte und ſtreichelte und bat ſie flehentlich, mir nicht das Herz zu brechen; aber einige Zeit lang that die arme kleine Dora nichts, als daß ſie ausrief: O wehe, wehe! Und oh, wie ſie ſich fürchte! Und wo Julia Mills wäre! Und oh, ich ſollte doch ſo gut ſein und ſie zu Julia Mills führen und fortgehen bis ich zuletzt ſchier außer mir gerieth.

Endlich nach einem wahren Todeskampfe zwiſchen fle⸗ hentlichen Bitten meinerſeits und Weigerungen ihrerſeits brachte ich Dora dahin, daß ſie mich mit einem entſetzten Geſichtsausdrucke anſah, welchen ich allmählig milderte, bis er nur noch Liebe war und ihre weiche, ſchöne Wange an der meinen lag. Dann erzählte ich ihr, meine Arme um ſie geſchlagen, wie ich ſie ſo herzlich, ach ſo herzlich liebe; wie ich es für Recht hielte, ſie von ihrem Angelöbniß zu entbinden, weil ich jetzt arm ſei; wie ich es nie er⸗ tragen und mich nie davon erholen könnte, wenn ich ſie verlöre; wie ich keine Furcht vor der Armuth hätte, wenn ſie keine habe, indem mein Arm ſtark und mein Herz voll Begeiſterung für ſie ſei; wie ich bereits mit einem Muthe arbeite, den nur Liebende kennten; wie