128 David Kopperſield.
tes Geſicht oder ein ſehr falſches. Ich blickte oft nach demſelben; denn ſie ſaß die ganze Zeit, während wir arbeiteten, am Fenſter und machte unſer Frühſtück, welches wir abſatzweiſe zu uns nahmen, da wir be⸗ ſchäftigt waren. Als ich um neun Uhr fortging, kniete ſie auf dem Boden zu den Füßen des Doctors und zog ihm ſeine Schuhe und Gamaſchen an. Es lag ein mil⸗ der Schatten auf ihrem Antlitze, welchen einige grüne Blätter, die das offene Fenſter überhingen, darauf war⸗ fen, und ich dachte den ganzen Weg bis zu den Doc⸗ tors Commons an die Nacht, wo ich es ihn anblicken geſehen hatte, während er las.
Ich war jetzt ziemlich fleißig, früh fünf Uhr auf und erſt um neun oder zehn Uhr Abends wieder zu Hauſe. Aber ich fühlte mich unendlich behaglich, ſo ſehr in An⸗ ſpruch genommen zu ſein, und ging nie und in keiner Rückſicht langſam und empfand begeiſtert, daß ich, je⸗ mehr ich mich abmühte, deſto mehr thäte, um Dora zu verdienen. Ich hatte mich Dora noch nicht in mei⸗ ner veränderten Rolle offenbart, weil ſie in wenigen Tagen zu Miß Mills auf Beſuch kommen wollte, und ich verſchob Alles, was ich ihr zu erzählen hatte, bis auf dieſen Zeitpunkt, indem ich ſie in meinen Briefen (alle unſere Mittheilungen wurden insgeheim durch Miß Mills befördert) blos benachrichtigte, daß ich ihr viel zu erzählen habe. Inzwiſchen erlaubte ich mir nur ei⸗ nen mäßigen Gebrauch von Bärenfettpomade, ließ die wohlriechende Seife und das Lavendelwaſſer ganz ſein und verkaufte mit ungeheurem Opfer drei Weſten als zu verſchwenderiſch für meine ſtreng gemeſſene Lebens⸗ weiſe.
Nicht zufrieden mit allen dieſen Anſtalten, ſondern vor Ungeduld brennend, noch mehr zu thun, ging ich,


