David Kopperfield. 129
um Traddles zu beſuchen, der jetzt hinter der Feuer⸗ mauer eines Hauſes in Caſtle Street, Holborn wohnte. Mr. Dick, welcher bereits zwei Mal mit mir in High⸗ gate geweſen war und ſeine Bekanntſchaft mit dem Doc⸗ tor wieder erneuert hatte, nahm ich mit mir.
Ich nahm Mr. Dick mit mir, weil er die Umkehr der Verhältniſſe meiner Tante recht wohl herausgemerkt hatte und des aufrichtigen Glaubens war, kein Galee⸗ renſclave oder Zuchthäusler arbeite ſo wie ich, und des⸗ halb angefangen hatte, ſich über ſeine Unfähigkeit, etwas Nützliches zu thun, abzuquälen und zu ängſtigen, ſo daß er alle gute Laune und allen Appetit verloren hatte. In dieſer Stimmung fühlte er ſich denn mehr als je außer Stande, die Denkſchrift zu Ende zu bringen, und je fleißiger er daran arbeitete, deſto öfter gerieth jenes unglückſelige Haupt Karls des Erſten hinein. Indem ich ernſtlich fürchtete, daß ſeine Krankheit ſich ſteigern werde, wenn wir ihn nicht auf unſchuldige Weiſe täuſch⸗ ten und ihn zu glauben veranlaßten, er ſei nützlich, oder wenn wir ihm nicht einen Weg zeigten, wirklich nütz⸗ lich zu ſein(was allerdings beſſer ſein würde), ſo ent⸗ ſchloß ich mich, den Verſuch zu machen, ob Traddles uns helfen könnte. Ehe wir gingen, ſchrieb ich an Traddles eine genaue Angabe über Alles, was ſich be⸗ geben hatte, und Traddles ſchrieb mir eine prächtige Antwort zurück, in welcher er ſeine Theilnahme und Freundſchaft ausdrückte.
Wir trafen ihn fleißig arbeitend vor ſeinem Tinten⸗ faſſe und Papieren, erquickt durch den Anblick des Blu⸗ mentopfſtands und des kleinen runden Tiſches in einem Winkel des Zimmers. Er empfing uns mit Herzlich⸗ keit und ſchloß augenblicklich Freundſchaft mit Mr. Dick. Dieſer wollte ganz gewiß wiſſen, daß er ihn ſchon frü⸗
David Kopperſteld. VI. 9


