Teil eines Werkes 
6. Theil (1850)
Entstehung
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126 David Kopperfield.

Der Doctor ſah ernſthaft aus und ſagte, wie wenn er den Gegenſtand der Unterhaltung zu wechſeln wünſchte: So giebt's alſo überhaupt nichts Neues, und keine Neuigkeit, ſagt man, iſt eine gute Neuigkeit.

In der Zeitung iſt ein langer Bericht von einer Mordthat, bemerkte Mr. Maldon.Aber's wird immer mal Jemand ermordet, und ich las den Bericht nicht.

Zur Schau getragene Theilnahmloſtgkeit an allem Thun und Leiden der Menſchheit galt damals, dächt' ich, noch nicht für eine ſolche ausgezeichnete Eigenſchaft, als man ſie meiner Beobachtung nach ſeitdem anſieht. Ich habe ſie übrigens ſehr modiſch und vornehm angetroffen. Ich habe ſie mit ſo viel Erfolg entwickeln ſehen, daß ich mit verſchiedenen feinen Damen und Herren zuſammen⸗ getroffen bin, welche ebenſo gut als Raupen hätten ge⸗ boren ſein können. Möglich, daß es auf mich damals mehr Eindruck machte, weil es etwas Neues war, aber ſo viel iſt ſicher, daß es meine Anſicht von Mr. Jack Maldon nicht erhöhte, noch mein Zutrauen in ihn ſtärkte.

Ich kam heraus, um zu fragen, ob Annie viel⸗ leicht heute Abend mit in die Oper zu gehen Luſt hätte, ſagte Mr. Maldon zu ihr gewendet.Es iſt die letzte gute Nacht, die wir dieſe Saiſon haben werden, und es iſt eine Sängerin da, welche ſie wirklich hören ſollte. Sie iſt etwas ganz Außerordentliches. Und außerdem iſt ſie ſo bezaubernd häßlich, fügte er, in ſeine Bla⸗ ſirtheit zurückverfallend, hinzu.

Der Doctor, dem Alles geſtel, woran möglicher Weiſe ſeine junge Frau Gefallen finden konnte, wen⸗ dete ſich zu ihr und ſagte:

Du mußt gehen, Annie. Ja, Du mußt gehen.