David Kopperſield. 125
Jemandes in Mrs. Strongs Geſicht las, ehe ich ein Geräuſch von derſelben hörte. Ein Herr zu Pferde kam ans Gartenthor, und indem er, den Zügel überm Arme, ſein Pferd in den kleinen Hof lenkte, als ob er ganz zu Hauſe wäre, band er es an einen Ring an der Wand der leerſtehenden Wagenremiſe und kam mit der Reit⸗ peitſche in der Hand in das Zimmer, wo wir früh⸗ ſtückten. Es war Mr. Jack Maldon, und Mr. Jack Maldon war meines Erachtens durch ſein Verweilen in Indien durchaus nicht gebeſſert. Freilich war ich in Be⸗ zug auf junge Leute, welche nicht Bäume fällten im Walde der Schwierigkeiten, entſetzlich tugendhaft ge⸗ ſtimmt, und ſo muß man den Eindruck, den er auf mich machte, mit gehöriger Vorſicht aufnehmen.
„Herr Jack,“ ſagte der Doctor,„da iſt Kopper⸗ field.“
Mr. Jack Maldon ſchüttelte mir die Hand, aber, wie mich bedünkte, nicht eben ſehr warm, und mit einer Miene gelangweilter Gönnerſchaft, über die ich mich ins⸗ geheim ſehr ärgerte. Aber ſeine Blaſirtheit war ein wahrhaft wunderbarer Anblick, ausgenommen, wenn er ſich an Annie wendete.
„Haben Sie dieſen Morgen ſchon gefrühſtuckt, Herr Jack?“ fragte der Doctor.
„Ich nehme kaum irgend einmal ein Frühſtück zu mir,“ entgegnete er, den Kopf in einen Lehnſtuhl zu⸗ rückgeworfen.„Ich finde, es langweilt mich.“
„Giebt's etwas Neues heute?“ erkundigte ſich der Doctor.
„Durchaus gar nichts,“ erwiederte Mr. Maldon. „'s iſt eine Nachricht in der Zeitung, daß die Leute im Norden hungrig und unzufrieden ſind, aber's giebt immer irgendwo hungrige und unzufriedene Leute.“


