12 David Kopperfield.
und ein hübſches Mädchen war, und ich freute mich, daß ſie ſich ebenfalls mit ſo viel Gefühl daran erinnerte.
„Meine kleine Minnie,“ ſagte Mrs. Joram,„iſt
eben jetzt erſt eingeſchlafen. Selbſt im Schlafe noch ſchluchzt ſie um Emilien. Den ganzen Tag lang hat die kleine Minnie nach ihr geſchrien und mich wieder und immer wieder gefragt, ob Emilchen böſe wäre? Was kann ich zu ihr ſagen, wenn Emilie die letzte Nacht, wo ſie hier war, ein Band von ihrem eignen Halſe ab⸗ band und es der kleinen Minnie um den Nacken ſchlang und ihren Kopf neben ſie auf das Kiſſen legte, bis ſie feſt eingeſchlafen war? Das Band liegt noch um den Hals meiner kleinen Minnie. Es ſollte vielleicht nicht ſein, aber was kann ich thun? Emilie iſt ſehr böſe, aber ſie hatten ſich einander lieb. Und das Kind weiß nichts.“
Mrs. Joram war ſo unglücklich, daß ihr Mann herauskam, um ſich ihrer anzunehmen. Ich ließ ſie beiſammen allein und ging heim in Peggotty's Haus, trauriger, wo möglich, als ich je bisher geweſen.
Jenes gute Geſchöpf— ich meine Peggotty— ganz unermüdet durch ihre letzten Kümmerniſſe und ſchlafloſen Nächte, war in ihres Bruders Haus, wo ſie bis zum Morgen zu bleiben gedachte. Eine alte Frau, welche die letztvergangenen Wochen mit der Führung des Haus⸗ weſens betraut geweſen war, wo ſich Peggotty damit nicht hatte abgeben können, war außer mir die einzige Perſon im Hauſe. Da ich ihrer Dienſte nicht bedurfte, ſchickte ich ſie zu Bette, was durchaus nicht gegen ih⸗ ren Geſchmack war, und ſetzte mich ein wenig vor das Küchenfeuer, um über alles das nachzudenken.
In meine Gedanken miſchte ſich das Sterbebett des ſeligen Mr. Barkis, und ich fuhr eben mit der eintre⸗


