Teil eines Werkes 
6. Theil (1850)
Entstehung
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10 David Kopperfield.

beſſer ungeſagt bliebe, ſie vergaß ſich ſelbſt ſo ganz und war ſo bedacht auf den Schmerz ihrer Umgebung, daß ich wirklich eine Art Verehrung für ſie fühlte. Wie ar⸗ beitete ſie dieſen Tag! Es gab eine Menge Dinge vom Strande heraufzuſchaffen und im Nebenhauſe außzuſta⸗ peln, Ruder, Netze, Segel, Tauwerk, Spiren, Hum⸗ merkaſten, Ballaſtſäcke und dergleichen mehr, und ob⸗ ſchon Beiſtand in Menge da war, indem es an die⸗ ſem ganzen Seeufer nicht ein Paar arbeitende Hände gab, die nicht hart für Mr. Peggotty gearbeitet und ſich durch die bloße Bitte für gut bezahlt gehalten hät⸗ ten, ſo ſchleppte ſie doch ausdauernd den ganzen Tag über Laſten, die ſie zu tragen durchaus nicht fähig war, und flog hin und her in allerhand unnöthigen Geſchäf⸗ ten. Was das Klagen über ihr unglückliches Loos be⸗ trifft, ſo ſchien ſie ganz und gar das Gedächtniß ver⸗ loren zu haben, daß ihr je ein Unglück paſſirt ſei. Sie bewahrte mitten in ihrem Mitleiden eine gleichmäßige Heiterkeit, welches nicht die am wenigſten ſtaunenswerthe Seite der Veränderung war, die über ſie gekommen. Ihre Nörgelei war völlig verſchwunden. Ich bemerkte nicht ein Mal den ganzen Tag über, daß ihre Stimme weinerlich geworden oder daß eine Thräne aus ihren Augen entſchlüpft wäre; erſt in der Dämmerung, wo ſte und ich und Mr. Peggotty allein waren, und er in vollkommener Erſchöpfung in Schlaf gefallen war, brach ſie in einen halbunterdrückten Anfall von Seufzen und Weinen aus und ſagte, indem ſie mich an die Thur nahm:O mein allerbeſter Musje Davchen, ſein Sie ja immer ein Freund gegen ihn, den armen guten Mann! Dann lief ſie ſogleich aus dem Hauſe, um ihr Geſicht zu waſchen, damit ſie ruhig neben ihm ſitzen könnte und bei der Arbeit gefunden würde, wenn er aufwachte,