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4 David Kopperfield.
liebt haben— obwohl ſein Zauber auf mich fortan wirkungslos war— ich würde das Andenken an meine Neigung zu ihm mit ſolcher Zärtlichkeit feſtgehalten ha⸗ ben, daß ich glaube, ich würde in allen Dingen ſo ſchwach wie ein in ſeinen Gefühlen verwundetes Kind geweſen
ſein, ausgenommen den Gedanken, daß wir je wieder
vereint werden könnten. Dieſen Gedanken hatte ich nie. Ich empfand, wie er's empfunden, daß jedes Verhält⸗ niß zwiſchen uns zu Ende ſei. In welcher Weiſe er ſich meiner erinnerte, habe ich nie in Erfahrung ge⸗ bracht,— ſie war vielleicht ziemlich leichtfertig und bald aus der Seele verbannt— aber ich erinnerte mich ſeiner als eines geliebten Freundes, der mir geſtorben.
Ja, Steerforth, der Du längſt von dem Schauplatze dieſer armen Geſchichte entfernt biſt! Mein Gram wird vielleicht ohne mein Wiſſen und Willen vor dem Throne des Richters dereinſt Zeugniß gegen Dich ablegen, aber nimmer, das weiß ich, werden dies zürnende Gedanken oder Vorwürfe thun!
Die Kunde von dem, was vorgefallen, verbreitete ſich bald durch die Stadt, und zwar ſo ſchnell, daß ich, als ich den nächſten Morgen durch die Straßen ging, die Leute an den Thüren davon reden hörte. Viele ſprachen hart von ihr, einige Wenige hart von ihm, aber hinſichtlich ihres zweiten Vaters und ihres Verlob⸗ ten war nur eine Stimmung. Unter Leuten aller Art herrſchte eine Achtung vor ihnen in ihrem Unglücke, welche voll Wohlwollen und Zartgefühl war. Die Seefahrer hielten ſich von ihnen zurück, als man die Beiden am
frühen Morgen mit langſamen Schritten am Ufer da⸗
her kommen ſah, traten in Gruppen zuſammen und ſprachen mitleidig untereinander. Es war am Ufer, hart unten bei der See, wo ich
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