David Kopperfield. 5
ſie traf. Es würde leicht geweſen ſein, zu bemerken, daß ſie die ganze vergangene Nacht nicht geſchlafen hat⸗ ten, ſelbſt wenn Peggotty mir nicht erzählt hätte, daß ſie ſo, wie ich ſie verlaſſen hatte, noch dageſeſſen hät⸗ ten, als der helle lichte Tag hereingeſchienen. Sie ſa⸗ hen wüſt und niedergeſchlagen aus, und ich dachte, Mr. Peggotty's Haupt ſei in einer Nacht mehr auf die Bruſt herabgeſunken, als in allen den Jahren, ſeit ich ihn kennen gelernt. Aber ſie waren Beide ſo ernſt und verhalten, wie die See ſelbſt, die jetzt unter einem dun⸗ keln Wolkenhimmel lag, wellenlos, obwohl dumpf grol⸗ lend, als ob ſie in ihrer Ruhe Athem holte, und am Horizonte mit einem Streifen ſilbernen Lichtes von der ungeſehenen Sonne angehaucht.
„Wir haben'ne Menge mit'nander bered't, jun⸗ ger Herr,“ ſagte Mr. Peggotty zu mir, als wir alle Drei ein Stück ſchweigend gegangen waren,„was wir thun und was wir laſſen müſſen. Aber wir ſehen un⸗ ſern Curs jetzt.“„* 4
Ich warf zufällig einen Blick auf Ham, der in die⸗ ſem Augenblicke in die See hinaus nach dem fernen Lichtſtreifen ſah, und ein furchtbarer Gedanke überkam mich— nicht, daß ſein Geſicht den Ausdruck des Zorns getragen hätte; denn das war nicht der Fall; ich ent⸗ ſinne mich auf nichts, als auf den Ausdruck feſter Ent⸗ ſchloſſenheit in demſelben— der Gedanke, daß er, wenn Steerforth ihm je begegne, ihn umbringen werde.
„Meine Pflicht iſt hier abgethan,“ ſagte Mr. Peg⸗ gotty.„Ich werde gehen und meine—“ hier hielt er inne und fuhr dann mit feſterer Stimme fort:„ich werde gehen und ſie ſuchen. Das iſt von jetzt an meine Pflicht.“
Er ſchüttelte ſeinen Kopf, als ich ihn fragte, wo er


