156 David Kopperfield.
bitten. Wenn er mich nicht als ſeine Gemahlin zurück⸗ bringt und ich nicht für meine eigne Seele bete, will ich für Euch Alle beten. Meinen Scheidegruß an On⸗ kel. Meine letzten Thränen und meine letzten Dankſa⸗ gungen für Onkel!“
Das war Alles.
Er ſtand da, lange, nachdem ich aufgehört hatte, zu leſen, und ſah mich noch immer an. Zuletzt wagte ich, ſeine Hand zu ergreifen und ihn, ſo gut ich ver⸗ mochte, zu bitten, er möge doch verſuchen, ſeiner ſelbſt einigermaßen mächtig zu werden. Er erwiederte:„Ich danke, Herr, ich danke!“ ohne ſich indeß zu regen.
Ham ſprach zu ihm. Mr. Peggotty war ſich inſo⸗ fern des Unglücks, das ihn betroffen, bewußt, daß er ſeine Hände rang; aber in jeder andern Beziehung ver⸗ blieb er in demſelben Zuſtande, und Niemand wagte es, ihn darin zu ſtören.
Langſam ließ er endlich ſeine Augen, als ob er aus einer Viſion erwachte, von meinem Geſichte abſchweifen und in der Stube herum gehen. Dann ſagte er mit dumpfer Stimme:
„Wer iſt der Menſch? Ich muß ſeinen Namen wiſſen.“
Ham warf mir einen Blick zu, und plöͤtzlich gab mir's einen Stoß auf's Herz, daß ich zurückfuhr.
„Ihr habt Jemand im Verdachte,“ ſagte Mr. Peg⸗ gotty.„Wer iſt's?“
„Musje Davchen!“ bat mich Ham.„Gehn Sie'n Biſſel'naus, und laſſen Sie mich ihm erzählen, was ich muß. Sie dürfen's nicht hören, junger Herr.“
Wieder fühlte ich den Stoß. Ich ſank in einen Stuhl und verſuchte eine Antwort zu ſtammeln; aber meine Zunge war gefeſſelt, und mein Geſicht ſchwand mir.“
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