154 David Kopperfield.
denken Sie ſich, wie ſie davongegangen iſt, wenn ich meinen guten und gnädigen Gott bitte, ſie(die mir ſo über Alles theuer iſt) eher ſterben, als in Unter⸗ gang und Schande fallen zu laſſen!“
Das Antlitz, welches er zu dem wolkendurchwogten Himmel wendete, das Zittern ſeiner zuſammengekrampf⸗ ten Hände, die Seelenangſt, welche ſeine ganze Geſtalt verrieth, verblieben bis dieſe Stunde, in Verbindung mit jener einſamen Küſtenfläche, in meinem Gedächtniſſe. Es iſt allezeit Nacht dort, und er iſt der einzige Ge⸗ genſtand auf dem Schauplatze.
„Sie ſind ein Gelehrter,“ ſagte er plötzlich,„und wiſſen, was das Rechte und Beſte iſt. Was ſoll ich drinnen ſagen? Wie ſoll ich es ihm je eröffnen, Musje Davchen?“
Ich ſah, wie die Thuͤr ging, und verſuchte inſtinct⸗ artig, die Klinke von außen feſtzuhalten, um einen Au⸗ genblick Aufſchub zu gewinnen. Es war zu ſpät. Mr. Peggotty ſteckte ſeinen Kopf heraus, und nie, und möcht' ich fünfhundert Jahre leben, könnte ich die Veränderung vergeſſen, welche daſſelbe überzog, als er unſerer an⸗ ſichtig wurde.
Ich erinnere mich eines lauten entſetzlichen Klage⸗ ſchreis; die Frauen hingen ſich an ihn, wir Alle ſtan⸗ den in der Stube; ich mit einem Papier in meiner Hand, welches Ham mir gegeben hatte, Mr. Peggotty mit auf⸗ geriſſener Weſte, wildverwirrtem Haar, und Geſicht und Lippen völlig weiß. Blut tröpfelte ihm über ſeine Bruſt herab(ich glaube, es war aus ſeinem Munde hervor⸗ geſprungen) und mit ſtarrem Blicke ſah er mich an.
„Leſen Sie, Herr,“ ſagte er mit leiſer, zitternder Stimme.„Langſam, ſein Sie ſo gut. Ich weiß nicht, ob ich's verſtehen kann.“


