Teil eines Werkes 
5. Theil (1850)
Entstehung
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146 David Kopperfield.

er die Intereſſen von einem Tauſend Mr. Peggotty auf Lebenszeit. Bei ſeinem Abſterben ſollte die Summe des Kapitals zu gleichen Theilen zwiſchen Peggotty, der klei⸗ nen Emilie und mir oder dem oder den Erben von uns getheilt werden. Alles Uebrige, was er bei ſeinem Ab⸗ leben beſaß, vermachte er an Peggotty, die er als Haupt⸗ erbin und alleinige Vollſtreckerin dieſes ſeines letzten Willens und Teſtaments zurückließ.

Ich fühlte mich als vollkommenen Proctor, als ich dieſes Teſtament laut und mit ſo viel Feierlichkeit, als nur möglich vorlas und die Beſtimmungen deſſelben un⸗ endlich viele Male Denen auseinanderſetzte, welche da⸗ ran betheiligt waren. Ich begann zu glauben, daß doch mehr an den Commons ſei, als ich vermuthet habe. Ich prüfte das Teſtament mit der tiefſten Aufmerkſam⸗ keit, fand es vollkommen und in jeder Hinſicht der vor⸗ geſchriebenen Form entſprechend, machte ein Bleiſtiftzei⸗ chen oder ſo etwas an den Rand und hielt es für et⸗ was Außerordentliches, daß ich ſo viel wiſſe.

Inmitten dieſes närriſchen Gebahrens, wo ich für Peggotty eine Berechnung alles des Beſitzes machte, in welchen ſie gekommen war; wo ich ferner alle Angele⸗ genheiten in gehöriger Weiſe ordnete und überhaupt in jedem Punkte zu unſerer beiderſeitigen Zufriedenheit ihr Beiſtand und Berather war, verbrachte ich die Woche vor dem Begräbniß. Ich ſah die kleine Emilie in die⸗ ſer Zwiſchenzeit nicht, aber man ſagte mir, daß ſie in vierzehn Tagen in aller Stille getraut werden ſollte.

Ich wohnte dem Leichenbegängniſſe nicht als Leid⸗

tragender bei, wenn ich mich ſo ausdrücken darf. Ich meine damit, ich war nicht mit einem ſchwarzen Man⸗ tel und einem flatternden Flor, dieſem Vogelſcheuchen⸗ ſtaate, herausgeputzt; ſondern ich ging früh am Morgen