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nachgeſehen werden möchte. Nach einigem Suchen wurde es denn auch im Koffer auf dem Boden eines Pferde⸗ futterſacks gefunden, worin wir(außer Heu) eine alte goldne Sackuhr mit Kette und Petſchaften erblickten, welche Mr. Barkis an ſeinem Hochzeitstage getragen und die Niemand je zuvor oder je nachher geſehen hatte; ferner einen ſilbernen Tabaksſtopfer in der Form eines Beines; eine hölzerne Citrone voll kleine Taſſen und Pfannen, bei der mir die Idee kam, daß Mr. Barkis ſie gekauft, um mir, als ich noch Kind war, ein Geſchenk zu machen, von der er ſich jedoch ſpäter zu trennen außer Stande geſehen hatte; außerdem ſiebenundachtzig und eine halbe Guinea in Guineen und halben Guineen, zweihundert⸗ zehn Pfund Sterling in vollkommen reinlichen Bank⸗ noten, verſchiedene Quittungen der Bank von England für niedergelegtes Kapital, ein altes Hufeiſen, einen fal⸗ ſchen Schilling, ein Stück Kampher und eine Auſter⸗ ſchale. Von dem Umſtande, daß der letztgenannte Ge⸗ genſtand ſehr glatt abgerieben war und innerlich in den Farben des Regenbogens ſpielte, ſchließe ich, daß Mr. Barkis gewiſſe dunkle Vorſtellungen von Perlen hatte, welche ſich nie zu einem erſprießlichen Ergebniß erſchloſſen. Jahre auf Jahre hatte Mr. Barkis dieſen Koffer mit ſich geführt, auf allen ſeinen Reiſen, Tag für Tag hatte er ihn begleitet. Damit dies die Aufmerkſamkeit nicht ſo leicht rege machen ſollte, hatte er die Ausrede erfun⸗ den, er gehoͤre einem gewiſſen„Mr. Blackboy“ und ſollte „bis auf Nachfrage bei ihm verbleiben,“ eine Fabel, die er mit großer Mühe auf den Deckel geſchrieben hatte, und zwar in Buchſtaben, die jetzt kaum noch lesbar waren. Er hatte, wie ich fand, alle dieſe Jahre hindurch mit gutem Erfolge geſpart. Sein Beſitz in Geld belief ſich auf nahe an dreitauſend Pfund. Hiervon vermachte David Kopperſield. V. 10


