David Kopperſteld. 157
der Thür gegenüber, und meine Aufmerkſamkeit wurde durch die Beobachtung abgezogen, daß der gewandte junge Mann, der uns bediente, ſehr oft aus der Stube ging, und daß ſich ſein Schatten dann ſtets auf der Wand des Vorſaals mit einer Flaſche an ſeinem Munde präſentirte. Ebenſo machte mich„das junge Mädel“ einigermaßen ungemüthlich, und zwar nicht ſo ſehr dadurch, daß ſie es vernachläſſigt hätte, die Teller aufzuwaſchen, als dadurch, daß ſie dieſelben zerbrach. Denn wißbegieriger Natur und unfähig, ſich, wie ihre entſchiedene Anweiſung lau⸗ tete, auf das Speiſekämmerchen zu beſchränken, lauſchte ſte immer nach uns herein und bildete ſich dabei fortwäh⸗ rend ein, darüber ertappt zu ſein, in welchem Glauben ſie ihren Rückzug mehrmals in die Teller, mit denen ſie ſorgſam die Diele gepflaſtert hatte, hinein bewerkſtelligte und eine große Verwüſtung anrichtete.
Das waren indeß geringe Uebelſtände, die bald ver⸗ geſſen waren, als das Tiſchtuch abgenommen und das Deſſert aufgeſetzt worden war, in welcher Periode des Schmauſes der gewandte junge Mann im Zuſtande der Sprachloſigkeit betroffen wurde. Ich gab ihm heimliche An⸗ weiſung, ſich in die Geſellſchaft von Mrs. Crupp zurückzu⸗ ziehen und„das junge Mädel“ ebenfalls in's unterſte Geſtock mitzunehmen, und dann überließ ich mich völliger Heiterkeit.
Ich begann damit, daß ich ganz ungewöhnlich fröhlich und leichten Herzens war; allerhand halbvergeſſene Dinge fuhren mir durch den Kopf, ſo daß ich in einer mir völlig ungewohnten Weiſe ſchwatzte und predigte. Ich lachte herzlich über meine eignen Späße, wie über die, aller Andern; rief Steerforth zur Ordnung, daß er nicht genug Wein vertilge; verſprach verſchiedentliche Male, mit nach Orford zu gehen; zeigte an, daß ich ein ganz ähnliches


