Teil eines Werkes 
4. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 151

Leben bei Tageslicht, und noch friſcher und freier bei Sonnenlicht. Aber wenn der Tag ſich ſeinem Ende zu⸗ neigte, ſchien auch das Leben unterzugehen. Ich weiß nicht, wie es kam, aber es ſah bei Kerzenlicht ſelten gut aus. Ich vermißte dann Jemand, mit dem ich mich unter⸗ halten könne. Ich vermißte Agnes. Ich fand eine un⸗ geheure Leere an der Stelle, wo einſt der Platz dieſer lächelnden Vertrauten meiner innerſten Gedanken geweſen war. Mrs. Crupp ſchien eine weite Strecke entfernt zu ſein. Ich dachte an meinen Vorgänger im Beſttz dieſes Zimmers, der am Trinken und Rauchen geſtorben war, und ich hätte wünſchen mögen, er hätte mir den Gefallen gethan, leben zu bleiben und mich nicht mit ſeinem Tode zu behelligen. 3

Nach zwei Tagen und Nächten war mir's zu Muthe, als ob ich ein Jahr dort gelebt hätte, und doch war ich nicht eine Stunde älter, ſondern fühlte mich ganz und gar ſo wie immer von dem Bewußtſein meiner Jugend gequält.

Da Steerforth noch nicht erſchien, ſo brachte mich dies auf den Gedanken, er müßte krank ſein, und ſo ver⸗ ließ ich am dritten Tage frühzeitig die Commons und ging hinaus nach Highgate. Mrs. Steerforth war ſehr erfreut mich zu ſehen und ſagte mir, er ſei mit einem ſeiner Freunde von Orford zu einem andern, der in der Nähe von St. Albans lebe, auf Beſuch gegangen, daß ſte indeß erwarte, er werde morgen zurückkehren. Ich war ſo vernarrt in ihn, daß ich eine wahre Eiferſucht auf ſeine Orforder Freunde empfand.

Da ſie in mich drang, zum Eſſen da zu bleiben, ließ ich mich bewegen, und ich glaube, wir unterhielten uns den ganzen Tag über von nichts als ihm. Ich erzählte ihr, wie lieb ihn die Leute zu Darmouth gewonnen hätten